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Kommende Buchkritiken
Die verborgene Ordnung der Dinge
Ferme les yeux
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Autor
Francois Gantheret
Genre Roman
Verlag dtv ISBN 978-3-423-24792-4 Übersetzung Dirk Hemjeoltmanns Erscheinungsdatum (D) Juli 2010 Erschienen 2007 Seiten 179 |
Inhalt
Völlig unerwartet findet Jean seine Frau Anne eines Morgens tot in ihrem Atelier auf. Sie selbst hat am Ort ihres künstlerischen Schaffens ihrem Leben ein Ende gesetzt. Jean stürzt in tiefe Fassungslosigkeit und Trauer. Was hat seine Frau dazu getrieben, wie gut kannte er sie wirklich, warum hatte sie sich ihm nicht anvertraut? Und: Wer ruft permanent auf ihrem Handy an und sagt nichts, wenn er abnimmt?
Als Jean wieder an seinen Arbeitsplatz zurück kehrt, ist ihm seine langjährige Sekretärin, Éva, eine gute Zuhörerin. Sie ermuntert ihn, den anonymen Anrufer ausfindig zu machen und die Adresse aufzusuchen. Als Jean dort ankommt und klingelt, ist er zutiefst erschüttert, als ihm das Ebenbild seiner Frau die Tür öffnet. Der einzige Unterschied ist, dass die Unbekannte blind ist. Von nun an öffnen sich die Schleusen in die Vergangenheit seiner Frau und immer mehr wird er in den Sog der unseligen Geschichten ihrer Jugend gezogen. Hin und her gerissen zwischen Neugier und Ablehnung kommt er aber nicht umhin, die blinde Frau immer wieder zu besuchen ….
Buchkritik von Angelika Koch
Dieses Buch ist etwas für Feinschmecker. Es hat nur 179 Seiten, aber die haben es in sich. Das ist keine Geschichte, die man mal eben so nebenbei „runterlesen“ kann. Das muss man sich einfach genüsslich auf der Zunge zergehen lassen. Welch eine großartige Poesie geht vom Schreibstil des Autors aus. Welch tiefe Hingabe an die Menschen und ihre zwiespältigen Gefühle, welch wunderbare Zeichnung ihrer Abgründe. Nur ganz langsam entblättert Gantheret den Kern der Geschichte, zögerlich, hinhaltend. Als Leser rutscht man unweigerlich und ungewollt immer tiefer in die Tristesse des Geschehens und auch nach dem Zuschlagen des Buches klingt dieses Gefühl lange nach. Die Handlung an und für sich hätte einem Genie wie Hitchcock die allerfeinste Vorlage für einen düsteren, melancholischen und unheimlichen Film gegeben. Man kann sich das wunderbar vorstellen. Doch der Autor legt noch viel mehr Wert darauf, die Protagonisten und damit den Leser fühlen, spüren und leiden zu lassen. Keiner kann sich dem entziehen, die Handlung tritt dabei in den Hintergrund und die Charaktere in den Vordergrund. Wo fängt ein Mensch an, wo hört der andere auf? Wie sehr kann man sich an und in einem Menschen verlieren? Wie sehr kann man dazu bereit sein, seine Augen des Glückes wegen zu verschließen? Und vor allem: wie zutiefst zerstört und vernichtet kann jemand sein, damit er das wiederum mit seinen Mitmenschen macht, sie zerstören. Dies ist ein poetisches, nahezu philosophisches Buch, das dazu hin Spannung und eine großartige Geschichte bietet. Schwere, aber reichhaltige Kost. Aber, es sei auch hier mal wieder erwähnt, dass das beste Buch nicht nützt, wenn es nicht gut übersetzt ist. Der feinfühligen Arbeit des Übersetzers sei hier ebenfalls Respekt gezollt.
Wissenswertes
Francois Gantheret ist in Frankreich ein hochgeschätzter Autor und Psychoanalytiker. Er war zudem an der Universität Paris VII Professor für Psychopathologie.
