Das Haus der kalten Herzen

Century

Das Haus der kalten Herzen

Autor Sarah Singleton Genre Jugendbuch
Verlag cbt
ISBN 978-3-57030-647-5
Übersetzung Catrin Frischer Erscheinungsdatum (D) Januar 2010   
Erschienen 2005  Seiten 288

Inhalt

Mercy und Charity Vergas leben in immerwährender Dunkelheit. Ihr Zuhause, der Landsitz „Century“, liegt in einer nie enden wollenden Winternacht ohne Sonne und ohne Wärme. Mercy und Charity schlafen tagsüber und leben nachts. Wie lange sie dieses Dasein schon fristen, ahnen sie mehr als dass sie es wissen. Warum sie so leben, haben sie nie hinterfragt. Doch der Besuch eines Fremden im Garten bringt Dinge in Bewegung, die schon lange vergessen waren. Mercy fängt an, Fragen über die Vergangenheit und den Tod ihrer Mutter zu stellen und trifft auf eine Mauer des Schweigens bei ihrem Vater sowie den zwei einzigen Hausangestellten. Doch sie will dieses Schweigen nicht akzeptieren und begibt sich auf eine Reise durch die Zeit, die das Leben ihrer Familie für immer verändern wird…

Buchkritik von Melanie Frommholz

Melanie vergibt 4 von 5 Bs Liest man den Klappentext von „Das Haus der kalten Herzen“ so könnte man leicht dem Irrtum erliegen, hier ein weiteres Vampirbuch in Händen zu halten. Doch weit gefehlt. Zwar umgibt auch die Familie Vergas ein düsteres Geheimnis, doch mit Blutsaugern hat dies nichts zu tun. Schon eher mit der Legende von Frankenstein, aber mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, um die Spannung nicht zu verderben.

Die Namen der beiden Schwestern, beides die englische Übersetzung des Wortes Barmherzigkeit, bringen einen da schon eher auf die richtige Spur nach dem Wesen dieser düsteren und morbide anmutenden Gruselgeschichte. Es geht um große Gefühle, eine große Tragödie und einen schlimmen Verlust, der über Mercy, Charity und ihre Familie kam. Sarah Singleton versteht es wunderbar, den Leser gleich zu Beginn abzuholen und auf das Geheimnis des Hauses Century und seiner Bewohner neugierig zu machen. Ältere Leser werden sich sicherlich bei der von ihr entworfenen Szenerie an den Film „The Others“ erinnert fühlen, der ebenfalls mit dem Element des „antizyklischen Lebens in der Nacht“ spielt. „Das Haus der kalten Herzen“ richtet sich jedoch ganz an ein jugendliches Zielpublikum und so ist der Erzählstil von einer klaren Sprache und kurzen Sätzen dominiert. Schon nach wenigen Seiten sieht man das düstere Haus und die brachliegenden Gärten vor dem inneren Auge. Die Autorin nimmt einen zwar nicht durch ausgefeilte Formulierungen und Dialoge für ihre Geschichte ein, aber durch einen kraftvollen Erzählstil. Mit „Mercy“ hat Singleton zudem einen sympathischen Hauptcharakter geschaffen, mit dem man sich gerne auf die Suche nach dem Familiengeheimnis begibt. Ihr starker Lebenswille und der Wunsch, die eigene Zukunft selbst zu bestimmen macht sie zu einer guten Identifikationsfigur.

Auch wenn sich gegen Ende die Geschichte eher offensichtlich entwickelt und man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, Sarah Singleton habe ihr Pulver schon etwas vor der Zeit verschossen, ist dieses düstere Gothic-Märchen eine wohltuende Abwechslung zu all den Vampir- und Werwolfstorys, die derzeit wie Unkraut den Büchermarkt überwuchern.

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