Ich war nie bei dir

Luonas en ollutkaan

Ich war nie bei dir

Autor Leena Letholainen Genre Roman
Verlag Kindler
ISBN 978-3-463-40562-9
Übersetzung Gabriele Schrey-Vasara Erscheinungsdatum (D) Januar 2010   
Erschienen 2007  Seiten 352

Inhalt

Die Ehe von Jaana und Riku ist schon lange nicht mehr glücklich. Jaana vertraut ihre Gefühle ihrem Tagebuch an und als sie zufällig entdeckt, dass Riku heimlich in ihren Aufzeichnungen liest, konfrontiert sie ihren Mann nicht damit, sondern führt einfach ein heimliches Tagebuch. Die Sprachlosigkeit zwischen den beiden wird immer größer und dennoch spielen sie einander Gefühle vor, die schon lange nicht mehr da sind. Die Familie ist außerdem durch die Drohungen militanter Tierschützer stark belastet, die Rikus Arbeit in einem Versuchslabor verurteilen. Jaana hat vor allem Angst um die beiden Kinder und macht indirekt Riku dafür verantwortlich.
Dann verschwindet Riku eines Tages spurlos bei einer Bootstour und alles deutet darauf hin, dass er sich das Leben genommen hat. Nun ist Jaana hin und her gerissen zwischen Sorge, Trauer, schlechtem Gewissen und einer immer größer werdenden Erleichterung. Obwohl sie nicht aufhören kann sich zu fragen, was mit Riku geschehen ist, beginnt sie allmählich zu hoffen, dass doch noch ein neues Glück vor ihr liegen könnte. Doch Jaana ahnt nicht, was das Schicksal noch für sie bereithält…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 4 von 5 Bs „Ich war nie bei dir“ ist ein wirklich außergewöhnliches Buch, an dessen Erzählstil man sich zunächst einmal gewöhnen muss. Das meiste erfährt der Leser aus Jaanas Tagebuchaufzeichnungen, die vom langsamen Verfall einer zunächst einmal glücklichen Ehe erzählen. Dabei wechselt die Autorin permanent zwischen Eintragungen aus der Vergangenheit und denen aus der Gegenwart hin und her und flicht auch immer wieder die fingierten Tagebuchaufzeichnungen ein, die Jaana erst verfasst hat nachdem ihr klar wurde, dass ihr Mann heimlich mitliest. Doch gerade dieser Erzählstil ist es, der nach und nach den Reiz dieses Romans ausmacht. Denn aus Rikus Tagebuch erfährt man dessen Sicht der Dinge, wird einem klar, was ihn so quält. Auch die Erzählerin, die von Jaana gebeten wurde, ihre und Rikus Geschichte zu erzählen, kommt immer wieder zu Wort. So entsteht die komplexe Geschichte einer Ehe, die irgendwann einmal aufgehört hat zu funktionieren. Aus unterschiedlichen Perspektiven erfährt der Leser, wann für Riku und Jaana das Ende vorprogrammiert war, wann jeder sich still und leise aus dieser Ehe verabschiedet hat.

Es gelingt der finnischen Krimiautorin, die Spannung fast unmerklich zu steigern, immer neue Rätsel einzuflechten und beim Leser ein immer größer werdendes Gefühl der Verunsicherung hervorzurufen. Wurde Riku von militanten Tierschützern ermordet? Ist er untergetaucht oder war es Selbstmord? Das Ende ist so überraschend und gleichzeitig unspektakulär, dass man sich beinahe wünscht, Leena Lehtolainen hätte sich eine andere Auflösung einfallen lassen. Der Leser wird auf 350 Seiten Zeuge vom Scheitern einer Ehe, von Sprachlosigkeit, Täuschung und Manipulation und muss am Ende erkennen, dass er selbst Opfer eines Schwindels geworden ist.

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