Die rote Rakete am Nanga Parbat

Autor: Reinhold Messner
Genre: Erlebnisbericht
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-89029-373-8
Erscheinungsdatum (D) Januar 2010 Seiten 288

Die rote Rakete am Nanga Parbat

Inhalt

1970 startete unter der Leitung von Karl Maria Herrligkoffer eine Expedition zum Nanga Parbat. Zwei der Teilnehmer sind die jungen Südtiroler Brüder Reinhold und Günther Messner. Nach langen Tagen des Wartens und immer wieder erneutem Verschieben aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse, gelingt Reinhold und Günther schließlich am 27. Juni 1970 erstmals die Durchsteigung der Rupalflanke am Nanga Parbat, der mit 4500 Metern höchsten Fels- und Eiswand der Welt. Doch dann sind die beiden Brüder gezwungen, den Abstieg über die unbekannte andere Seite ins Diamirtal zu wählen. Dieser Abstieg endet äußerst tragisch mit Günthers Tod. Reinhold Messner überlebt mit schweren Erfrierungen und beginnt noch im Krankenhaus, die Erlebnisse am 8124 Meter hohen „Schicksalsberg“ aufzuschreiben.

Buchkritik von Stefanie  Rufle

Kaum erschienen, wurde „Die rote Rakete am Nanga Parbat“ auch schon verboten, da es der Expeditionsvertrag Reinhold Messner verbot, Details über die Expedition preiszugeben. Jetzt, vierzig Jahre danach, darf dieses Buch wieder erscheinen – mit einem neuen Vorwort und um über 160 Fotos ergänzt. Reinhold Messner betont in seinem Vorwort, die vielen Unwahrheiten über die Nanga-Parbat-Expedition 1970 zwängen ihn dazu, Stellung zu beziehen – damals wie heute. Er vermittelt mithilfe von Günthers und seinen eigenen Tagebuchaufzeichnungen und vielen Fotos ein Bild von einer aufreibenden und zermürbenden Expedition, die schließlich in einer Katastrophe endete. Der Leser bekommt durch Messners Bericht Einblick in die harte Realität dessen, was oft als Bergsteigerromantik verklärt dargestellt wird. Sturmgepeitschte Biwaklager unter Felsvorsprüngen, abgefrorene Gliedmaße, kaltes Essen aus der Dose, Sonnenuntergang schon am frühen Nachmittag, ständige Furcht vor Lawinenabgängen – hier geht es ums nackte Überleben. Allein schon deshalb lohnt sich die Lektüre dieses Buches.

Der erbitterte Streit, der sich nach den Ereignissen am „Schicksalsberg“ zwischen dem Expeditionsleiter Herrligkoffer und Reinhold Messner entspann, findet aber auch mit diesem Buch keine wirkliche Klärung. Wie war nun tatsächlich die Absprache zwischen Herrligkoffer und Messner bezüglich der roten Rakete, die abgeschossen werden sollte, wenn die Wetterverhältnisse schlecht wären? Ist Reinold Messners Entscheidung, für den Abstieg die unbekannte Seite ins Diamirtal zu wählen, nachvollziehbar? Hat er seinen Bruder seinem Ehrgeiz geopfert? All diese Fragen konnten damals und können auch heute nicht nachhaltig beantwortet werden. Nur diejenigen, die in diesen schicksalhaften Tagen im Juni 1970 mit auf dem Nanga Parbat waren, wissen, was tatsächlich geschehen ist. Deshalb sollte man dieses Buch wohl weniger als authentischen Expeditionsbericht betrachten, sondern vielmehr als packende und ergreifende Schilderung der ersten Durchsteigung der Rupalflanke am Nanga Parbat durch die Brüder Reinhold und Günther Messner.

2005 wurden die Überreste von Günther Messner am Diamirgletscher gefunden. Die Darstellung Reinhold Messners wurde mittlerweile gerichtlich bestätigt.

BOOKSECTION • Im Grütt 1 • 79713 Bad Säckingen