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Kommende Buchkritiken
Der Koch
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Autor
Martin Suter
Genre Roman
Verlag Diogenes ISBN 978-3-257-06739-2 Erscheinungsdatum (D) Februar 2010 Seiten 312 |
Inhalt
Der tamilische Asylbewerber Maravan arbeitet als schlecht bezahlte Hilfskraft in einem Zürcher Sternelokal. Doch eigentlich ist Maravan zu Höherem berufen: In Sri Lanka hatte ihn seine geliebte Großtante in die Kochkunst eingeweiht, und Maravan ist mittlerweile ein begnadeter Koch. Auch die Geheimnisse der aphrodisischen Küche sind ihm wohl vertraut, und eines Tages probiert er die an seiner Kollegin Andrea aus, die er heimlich verehrt. Der Erfolg spricht für Maravan und seine Kochkünste. Als er fristlos gefeuert wird, überredet Andrea ihn zu einem gemeinsam betriebenen Catering für Liebesmenüs. Zuerst kocht Maravan noch für Paare, die sie von einer Sexualtherapeutin vermittelt bekommen, doch als sich der Erfolg von „Love Food“ herumspricht, beginnt sich noch ein anderes Klientel für Maravans Menüs zu interessieren.
Hinter Maravans Rücken, der seine Kochkünste nicht für „unanständige“ Zwecke benutzen lassen will, nimmt Andrea Kontakt zu einem Escort-Service auf, der von Männern aus Politik und Wirtschaft regen Zulauf erfährt. Und auch politische Ränkespiele werden zwischen den aphrodisischen Speisefolgen betrieben. Geschäfte, die ganz direkt in das Geschehen in Maravans Heimat Sri Lanka eingreifen. Doch um seine Familie in Sri Lanka zu unterstützen, ist Maravan bereit, über so manches hinwegzusehen.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Ohne Umschweife und zielstrebig steigt Martin Suter in die Geschichte seines Protagonisten, des tamilischen Asylbewerbers Maravan ein. In seiner gewohnt klaren und geschliffenen Sprache weiht er den Leser in Maravans Alltag, seine Gewohnheiten und Lebensumstände ein. Dann beginnt Maravan zu kochen und diese detaillierten Ausführungen lassen dem Leser förmlich das Wasser im Mund zusammenlaufen, geben ihm das Gefühl, mitten in Maravans kleiner Küche zu stehen, die Gerüche einzusaugen und die herrlichen Speisen auf der Zunge zu schmecken. Hier ist sie wieder, Martin Suters außergewöhnliche Erzählkunst, die sich zwischen Banalität und Poesie hin und her bewegt und dem Leser ein beinahe schon plastisches Bild der Charaktere und Schauplätze liefert.
Hier vermischen sich der Bürgerkrieg in Sri Lanka, die weltweite Wirtschaftskrise und andere zeitgeschichtliche Ereignisse genauso elegant und mühelos, wie Maravans diverse Ingredienzien. Über allem schwebt ein Hauch der so sympathischen Schweizer Gutbürgerlichkeit, die aber in dieser Geschichte oftmals bloße Fassade ist. Dahinter brodeln Gier, krumme Geschäfte und Prostitution, und ein etwas naiver tamilischer Koch wird mit Abgründen konfrontiert, die seiner Weltanschauung gnadenlos zuwiderlaufen. „Der Koch“ ist ein rasanter Roman voller Exotik, politischer Gegenwartsschilderungen und Sinnlichkeit, der einfach nur Spaß macht.
Wissenswertes
Im Anhang führt Martin Suter Maravans Rezepte, die zum Teil von dem Kochbuch „Verwegen kochen: Molekulare Techniken und Texturen“ inspiriert sind, detailliert aus. Hier bekommt der Leser Gelegenheit das „Love Menu“ in zehn Gängen und das „Promotion Menu“ nachzukochen.
