Letzte Nacht in Twisted River

Last Night in Twisted River

Letzte Nacht in Twisted River

Autor John Irving Genre Roman
Verlag Diogenes
ISBN 978-3-257-06747-7
Übersetzung Hans M. Herzog Erscheinungsdatum (D) Mai 2010   
Erschienen 2009  Seiten 732

Inhalt

Es ist in einem Flößer- und Holzfällercamp in den Wäldern von New Hampshire, in dem die Geschichte des Kochs Dominic Baciagalupo und dessen Sohn Daniel im Jahr 1954 ihren Anfang nimmt. Oder vielmehr könnte sie hier schon zu Ende sein, denn auf tragische Art und Weise verwechselt der zwölfjährige Danny die Geliebte seines Vaters mit einem Bären – was für die tödlich endet. Fatalerweise ist das Opfer des bedauerlichen Irrtums nicht nur die Geliebte von Dominic Baciagalupo – sondern auch die des äußerst brutalen und unberechenbaren Hilfssheriffs. Vater und Sohn bleibt keine Wahl, als noch in derselben Nacht zu fliehen und alles, was ihnen lieb und teuer ist, hinter sich zu lassen. Das wäre neben vielem anderen insbesondere der treue und unverwüstliche Ketchum, der beste Freund der beiden – und die Erinnerung an Dannys Mutter, die eines Nachts im Twisted River ertrank.

Es ist eine nicht enden wollende Odyssee, auf die Vater und Sohn sich begeben, immer in dem Wissen, dass der verbitterte Rächer sie suchen wird, solange er lebt. Sie ziehen von einer Küche zur nächsten, zunächst in Boston, danach in Vermont, Iowa und schließlich in Kanada, und mit seinen Kochkünsten und seinem Talent, aus fremden Zutaten wieder etwas Neues zu zaubern, sorgt Dominic stets für ihr Überleben. Menschen und vor allem Frauen jeder Couleur begegnen ihnen, begleiten sie für einige Zeit und müssen sie schließlich wieder loslassen. Nur der treue Ketchum ist immer für die beiden da, fest entschlossen, sie vor dem rachsüchtigen Sheriff zu beschützen. Doch solange der lebt, werden weder Dominic und Danny noch der treue Freund Ketchum je zur Ruhe kommen…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 6 von 5 Bs „Letzte Nacht in Twisted River“ liefert den Beweis dafür, dass es mit John Irving ist, wie mit einem guten Wein: Je älter er wird, desto besser, ausgefeilter und harmonischer sind seine Bücher. Vom ersten Satz an ist man von dieser abstrusen Geschichte komplett fasziniert, lässt sich hineinziehen in die Tiefen eines immer grotesker und zugleich facettenreicher werdenden Romans. Irvings Charaktere bestechen einerseits durch ihre Glaubhaftigkeit und wirken andererseits aber auch wieder völlig absurd. Gerade diese Überzeichnung lässt Figuren wie Indianer-Jane oder Sixpack-Pam so lebendig und plastisch wirken. Die Entscheidung darüber, wer nun die eigentliche Hauptfigur dieser Geschichte ist, bleibt dem Leser dann am Ende selber überlassen. Ob nun der sanftmütige Meisterkoch Dominic Baciagalupo, dessen Sohn Daniel, der später der berühmte Schriftsteller Danny Angel werden wird oder der unvergleichliche Ketchum – sie alle haben in jedem Fall das Potential zum Helden.

In „Letzte Nacht in Twisted River“ lässt John Irving sämtliche Facetten seines unglaublichen Könnens spielen. Er erzählt eine verworrene und zugleich poetische Geschichte, die von der Sehnsucht und der Flüchtigkeit des Glücks zu berichten weiß. Tragische Momente wechseln sich mit unglaublich komischen ab und so liegen – wie so oft bei John Irving – Lachen und Weinen ganz nah beieinander. Dominics und Dannys Geschichte ist eine Geschichte voller Höhen und Tiefen, höchstes Glück und tiefster Schmerz gehören ebenso dazu, wie die eine große Liebe und die vielen kleinen. „Letzte Nacht in Twisted River“ beweist erneut, dass John Irving zu den ganz Großen gehört – er schreibt voller Eleganz und Charme, lässt tief hineinblicken in die dunklen und erschreckenden Abgründe seiner Figuren und behandelt sie doch mit großem Respekt. Dabei bleibt er aber immer der John Irving, den wir alle lieben: tolldreist, verrückt und durch und durch bissig.

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