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Kommende Buchkritiken
Liebe ist ein hormonell bedingter Zustand
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Autor
Jakob Hein
Genre Roman
Verlag Piper ISBN 978-3-49205-359-4 Erscheinungsdatum (D) September 2009 Seiten 171 |
Inhalt
„Liebe ist ein hormonell bedingter Zustand“ von Jakob Hein erzählt die tragisch-komische Liebes- und Leidensgeschichte des jungen Sascha. Er wächst im Ostberlin der 80er Jahre auf. Bereits im zarten Kindergartenalter entdeckt er seine Liebe zu Tanz und Musik. Seine blamierenden Breakdanceambitionen und andere amüsante Bubeleien im Ferienlager sind schnell vergessen und das aufkommende Interesse für Mädchen katapultiert den jungen Helden in eine ausweglose Bredouille, die mit seiner begehrten Schulfreundin Sarah ihren Lauf nimmt.
Der Weg des Heranwachsenden wird episodenhaft garniert mit der Freude über neue Vinylscheiben aus dem Westen, angesagten Sneakern und der Begegnung mit einer britischen Punkband, die für Sascha zum vorläufigen Höhepunkt seiner tristen Existenz wird. Im Kopf des verwirrten Teens brodeln pubertäre Theorien über die Richtige. Die Grausamkeit und Ignoranz der unerreichbar scheinenden Mädchen, die in dem jungen Romanhelden immer nur den besten Kumpel oder gar die beste männliche Freundin sehen, bekommt dieser vehement zu spüren.
Seine zaghafte und aufopferungsvolle Art manövrieren den frustrierten Punkrocker, vorerst für die Frauenwelt unbemerkt, aufs Abstellgleis der verletzten Gefühle. Die unerfüllten Sehnsüchte nach einer echten Jugendliebe bleiben Sascha verwehrt. So lässt sich der manisch unglücklich Verliebte auf bizarre drittklassige Abenteuer und Affären ein und flüchtet sich in das Nachtleben Ostberlins. Doch der ewig beste Freund möchte sich nicht länger mit seinem leidigen Status abfinden und schreitet zu einem Eroberungszug, der aus dem einstigen Mauerblümchen und Frauenversteher eine gute Partie werden lässt. Dieser Wandel geht mit dem Mauerfall einher, der jedoch ohne große Einschnitte beinahe gleichgültig vollzogen wird. Ob Sascha letztendlich die Richtige findet und die Liebeshormone mehr als nur eine chemische Reaktion sind?
Buchkritik von David Recordon
Zu Beginn der Story spielt „Liebe ist ein hormonell bedingter Zustand“ überzeugend mit den Achterbahngefühlen dieser schwierigen Jugendphase. Jakob Hein verzichtet weitestgehend auf ostalgische Anklänge und lässt zwischen pogendem Punkrock, verschwitzten Band T-Shirts und der Seligkeit im Cola-Weinbrandrausch einen Jugendroman entstehen, der Einblicke in das Innenleben eines jungen Menschen gewährt, dem es in der noch geteilten Republik zu eng wird. Der Hass auf das Schweinesystem geht in der selbstironischen Attitüde Saschas auf. Jedoch wird es einem gegen Ende dann doch etwas zu langatmig. Die Liebeseskapaden des reiferen Saschas werden ausgereizt, die Stationen seines Jugendalters nur nebenbei gestreift und reihen sich austauschbar aneinander ohne eine wirklich nachvollziehbare Entwicklung ablesen zu können. Am Ende fragt man sich wie der gerade noch 15jährige aus dem Hauptteil schlagartig 30 geworden ist und ob er wirklich nochmals mit seiner Vergangenheit konfrontiert werden muss.

