Das Bildnis des Dorian Gray

The Picture of Dorian Gray

Das Bildnis des Dorian Gray

Autor Oscar Wilde Genre Roman
Verlag dtv
ISBN 978-3-423-12466-9
Übersetzung Siegfried Schmitz Erscheinungsdatum (D) 1981   
Erschienen 1891  Seiten 288

Inhalt

Für den Maler Basil Hallward ist der junge Gentleman Dorian Gray der Inbegriff von Schönheit. Seit er ihn portraitiert, scheint seine Arbeit einen neuen Sinn und mehr Tiefe erhalten zu haben. Bei der abschließenden Sitzung in Hallwards Haus begegnet Gray Lord Henry Wotton, ebenfalls ein Freund des Malers und in der Londoner Gesellschaft für seinen schneidenden Zynismus bekannt. Bereits in ihrem ersten Gespräch werden die beiden Freunde und, sehr zum Missfallen Hallwards, nimmt Wotton Dorian Gray unter seine Fittiche. Beim Anblick des fertigen Bildes von seiner eigenen Schönheit und Jugend überwältigt, wünscht sich Dorian unbedacht, das Bildnis möge an seiner Statt altern und er die ewige Jugend bewahren. Basil ist entsetzt, Lord Henry amüsiert über die jugendliche Naivität und fordert Dorian Gray auf, sein Leben fortan ganz nach seinen eigenen Bedürfnissen auszurichten und in vollen Zügen und ohne Rücksicht zu genießen. Dorian Gray macht sich Lord Henrys Ansichten zu Eigen und führt fortan ein ausschweifendes gesellschaftliches Leben. Die Jahre vergehen und noch immer sieht Gray aus wie an jenem Tag in Basils Haus. Die Leute beginnen zu tuscheln, doch nur Dorian Gray kennt die dunkle Wahrheit und das Geheimnis seiner Schönheit. Denn seine Seele hängt verhüllt auf dem Dachboden, gerahmt und zunehmend entstellt, hinter einer fest verschlossenen Tür.

Buchkritik von Melanie Frommholz

Melanie vergibt 4 von 5 Bs Mit seinem ersten und einzigen Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ löste der irische Schriftsteller Oscar Wilde seinerzeit einen Skandal aus. Heute gilt der Roman als Wildes Prosa-Hauptwerk und ist längst ein oft verfilmter Klassiker der Weltliteratur. Oscar Wilde verknüpft in seiner Geschichte auf unnachahmliche Art und Weise Themen wie Moral, Sittlichkeit, Dekadenz und Egoismus mit der Frage danach, ob „Schönheit“ alles darf. Er entlarvt dabei die Oberflächlichkeit der „besseren“ Gesellschaft ebenso, wie er sich kritisch damit auseinandersetzt, was die Schönheit für den Menschen bedeutet, der ihretwegen eine veränderte Behandlung durch sein Umfeld erhält. Wie verändert sich mein Wesen, meine Seele, wenn ich hemmungslos nach den eigenen Bedürfnissen leben und es in vollen Zügen mit all seinen Verlockungen genießen kann, ohne die negativen Auswirkungen direkt zu spüren? Dorian Gray erlebt es für uns. Oscar Wilde stellt überdies die spannende Frage, ob das Böse bereits in uns wohnt, oder ob die falschen Einflüsse uns zu etwas machen können, das wir eigentlich gar nicht sind. Die Figur des Lord Henry ist dabei der Fürsprecher für eine neue Form des Hedonismus, der die Lust als höchstes Gut und als Bedingung für Glückseligkeit ansieht, der Maler Basil steht für die Moral und die guten Sitten während Dorian Gray selbst der Inbegriff der dekadenten Ich-Sucht wird.

Unsere Gesellschaft mag sich seit Oscar Wildes Zeiten erheblich verändert haben, in einem Punkt ist sie jedoch gleich geblieben: Auch heute öffnet Schönheit Türen und beeinflusst unsere Meinung über einen Menschen. „Das Bildnis des Dorian Gray“ bleibt in seinen Anspielungen und versteckten Bezugnahmen auf Trends der damaligen Zeit daher zwar ein Werk seiner Epoche. Oscar Wildes Grundaussagen und kritische Fragen sind hingegen nach wie vor aktuell.

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