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Romeo und Julian
|
Autor
Thomas Ays
Genre Jugendbuch
Verlag Himmelstürmer ISBN 978-3940818409 Erscheinungsjahr (De) Februar 2010 Seiten 144 |
Inhalt
Endlich raus, endlich weg! Julian kann sein Glück kaum in Worte fassen: Endlich hat er es geschafft seinem strengen Elternhaus zu entkommen und ein neues Leben als Student anzufangen. Zwar war es nicht sonderlich einfach seine christliche Erzeugerfraktion davon zu überzeugen, dass ein Theologiestudium für ihn nicht in Frage kommt, letztlich ist es ihm aber dennoch gelungen den Studiengang seiner Wahl anzutreten: Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften! Als ewiger Filmfreak, genau die richtige Wahl für ihn.
Kaum in der neuen Stadt und in seinem neuen Leben angekommen, sieht sich Julian allerdings schon mit den ersten Problemen konfrontiert. Der große Traum von den eignen vier Wänden ist schnell zerplatzt, als er seinem neuen und unerwartend nervigen Zimmerkollegen Theodor Friedrich begegnet, und auch an der Uni läuft es nicht so rund, wie sich Julian das erhofft hatte: Nicht nur, dass ihm eine der Professorinnen mit ihrem besserwisserischen Gelaber enorm auf den Zeiger geht, auch seine Gefühlswelt spielt unerwartet stark verrückt, als er dem blendend aussehenden Felix begegnet.
Julian, der sich in den letzten Jahren unheimlich viel Mühe damit gegeben hat, seine wahren Gefühle für das männliche Geschlecht nicht nur vor allen anderen, sondern auch vor sich selbst geheim zu halten, ist vollkommen verwirrt. Die kommenden Wochen gestalten sich daher überaus turbulent – Julian weiß vor lauter Schmetterlingen im Bauch weder ein noch aus…
Buchkritik von Kathrin Lang
Mit seinem Debütroman „Romeo & Julian“ erzählt Thomas Ays eine turbulente und romantische Coming-Out-Geschichte, die gekonnt von den Irrungen und Verwirrungen einer jungen, schwulen Liebe erzählt. Dabei punktet der Autor vor allem in der ersten Hälfte seiner Geschichte mit einem tollen Witz. Obwohl das Thema im Grunde ein sehr ernstes ist, so versteht es Ays seine Geschichte dennoch mit einer angenehmen Leichtigkeit zu erzählen. Wo man einen moralischen und schweren Ton erwartet hätte, überrascht „Romeo & Julian“ durch einen unbeschwerten, gar nonchalanten Erzählstil, dessen Witz nicht selten aus den zahlreichen Anlehnungen an große Hollywoodfilme resultiert. Je weiter die Geschichte ihrem Ende entgegen schreitet, desto ernster werden allerdings nicht nur die Dialoge, sondern auch die Darstellung von Julians Gedankenwelt. Zwar bleibt Protagonist Julian weiterhin kess, seine sorgsam errichtete Mauer, die ihn vor allen unangenehmen Gedanken und Einflüssen der Außenwelt beschützt, beginnt jedoch langsam zu bröckeln. Damit einhergehend tritt an die Stelle des Witzes eine knisternde Spannung in der Geschichte - die letztlich mittels einer turbulenten Achterbahnfahrt der Gefühle und viel Romantik zu ihrem Ende geführt wird.
Neben der Geschichte, die einen zweifellos wichtigen Beitrag zur immer wieder aufkommenden Homosexuellendiskussion liefert, sind es vor allem die Figuren, die in „Romeo & Julian“ überzeugen. Nicht nur Protagonist Julian ist ein rundum gelungener und toller Charakter, sondern auch die Nebenfiguren sind es. Julian, als nicht gerade einfacher Zeitgenosse, begegnet im Laufe der Geschichte einigen Personen, die ihm nicht sonderlich sympathisch sind. Als Leser kann man Julian nur all zu gut verstehen und fühlt sich schnell empathisch in ihn und seine manchmal schier vom Unheil verfolgten Erlebnisse ein. Ob nun der versnobte Zimmerkollege Theodor Friedrich, die durchgeknallte Vorzeigechristin Epharista oder die kratzbürstige Professorin Frau Klain – sie alle sind herrliche Karikaturen von sich selbst und sorgen für ein Lesevergnügen, das durchgehend Spaß macht.
Dass die Geschichte auf Klischees nicht verzichtet, dürfte im Fall von „Romeo & Julian“ einer der wenigen Fälle darstellen, bei denen man dies nicht als negativen Beigeschmack deklarieren kann. Gerade durch die stereotypisierten Charaktere gelingt es Thomas Ays mit seiner Geschichte eine Botschaft zu hinterlassen, die nicht nur bei der offensichtlichen Zielgruppe gut ankommen und etwas bewirken könnte. „Romeo & Julian“ dürfte auch für Eltern oder Leute, die mit der schwulen Szene bislang wenig in Kontakt kamen, etwas Positives bewirken. So schön wie naheliegend ist letztlich nämlich die Moral von der Geschichte: Der Liebe ist das Geschlecht egal!
Wissenswertes
"Romeo und Julian" ist der Debütroman von Thomas Ays.