Die Insassen

Die Insassen

Autor Katharina Münk Genre Roman
Verlag dtv
ISBN 978-3-423-24752-8
Erscheinungsdatum (D) November 2009   Seiten 220

Inhalt

Dass er gestern noch einen Auflösungsvertrag unterschrieben hatte, hat Finanzvorstand Dr. Wilhelm Löring am nächsten Tag bereits verdrängt. Auch seine Einweisung in die komfortable Nervenklinik St. Ägidius verbucht er vor sich selbst lieber als Insidererfahrung für sein nächstes Finanzprojekt. In der Klinik trifft er auf den ausgebrannten Analysten Keith Winter, den Ex-Personalchef Wienkamp und die Ex-Chefsekretärin Schlick. Unter seiner Führung macht sich das bunt zuammmengewürfelte Team daran, die Zügel in St. Ägidius in die Hand zu nehmen. Wäre doch gelacht, wenn sie zusammen, den Laden nicht wieder flott und an die Börse kriegen. Zunächst sieht auch alles danach aus, als würde der wahnwitzige Coup gelingen…

Buchkritik von Melanie Frommholz

Melanie vergibt 3 von 5 Bs In Zeiten implodierender Börsenwerte und kollabierender Märkte sind sie in aller Munde: Die Topmanager, Vorstände und Banker. Autorin und Insider-Sekretärin Katharina Münk hat ihnen genau zugehört und entlarvt auf amüsante Art und Weise, warum manche von ihnen auch nach der größten Bauchlandung plötzlich wieder oben auf sind. Verdrängung heißt das Zauberwort. Hat man sich erst angewöhnt, die eigene Sicht der Dinge als unumstößliche Wahrheit zu sehen, läuft sowieso alles wie von selbst. Da werden einfach ein paar Anglizismen aneinander gereiht und die passenden hohlen Phrasen gedroschen und schon fragt keiner mehr nach der Substanz der Sache. Münk spielt in ihrem „Börsengang“ mit den gängigen Klischees und garniert das Ganze mit der ironischen Betrachtung der aktuellen Wirtschaftslage. Gut gelungen ist ihr die Figur des Dr. Löhring, der sich die Welt immer so hindreht, dass sie in seine Sicht der Dinge passt. Seine Ausführungen und Gedankengänge entlocken einem so manchen Schmunzler und lauten Lacher. Leider bleiben die übrigen Charaktere in ihrer Ausarbeitung hinter ihm zurück. Auch sollte man die Beschreibungen von Klinikalltag und Therapiegeschehen nicht allzu kritisch auf ihren Realitätsgehalt hinterfragen. „Die Insassen“ ist flott und kurzweilige geschrieben aber sicherlich keine tiefgründige Auseinadersetzung mit der Psyche von Topmanagern. Ein amüsanter Beitrag zu den aktuellen Meldungen aus dem Wirtschaftgeschehen, der zwar nicht nachhaltig im Gedächtnis bleiben dürfte, jedoch seinen Zweck als kurzweilige Unterhaltung bestens erfüllt.

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