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Kommende Buchkritiken
Der Seewolf
The Sea-Wolf
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Autor
Jack London
Genre Roman
Verlag dtv ISBN 978-3-423-08620-2 Übersetzung Erwin Magnus Erscheinungsdatum (D) Oktober 2009 Erschienen 1904 Seiten 288 |
Inhalt
Humphrey van Weyden, Mitte Dreißig, hat durch ererbtes Geld ein gutes Auskommen. Als Kunstbetrachter in der Literatur hat er es zu einigem Ansehen in der Gesellschaft gebracht. Sein Leben verläuft in ruhigen und unaufgeregten Bahnen, als ein Schiffsunglück ihn in der Bucht vor San Francisco unverhofft an Bord des Robbenfängers „Ghost“ bringt. Hier führt der grausame Kapitän Wolf Larsen ein unerbittliches Regiment. Aus einer Laune heraus zwingt er Humphrey, an Bord zu bleiben und findet fortan eine zynische Freude daran, den Schöngeist mit der brutalen Rauheit des wahren Lebens zu konfrontieren. Van Weyden, zunächst abgestoßen von der menschenverachtenden Einstellung Larsens, beginnt mit der Zeit immer mehr, den verweichlichten Gentleman abzulegen und seine innere Stärke zu entdecken. Außerdem ist er zunehmend fasziniert von der Mischung aus autodidaktischem Genie und tierischen Instinkthandlungen, die Wolf Larsen in sich zu vereinen scheint. Als Larsen zusammen mit anderen Schiffbrüchigen die schöne Maud Brewster an Bord nimmt, kommt es zum erbitterten Kampf zwischen den beiden unterschiedlichen Männern. Nun kann Humphrey van Weyden zeigen, aus welchem Holz er tatsächlich geschnitzt ist…
Buchkritik von Melanie Frommholz
Jack Londons „Der Seewolf“ ist über die Jahre zu einem Klassiker der Weltliteratur geworden. Warum der Abenteuerroman des Amerikaners dies geschafft hat, wird bereits nach der Lektüre der ersten Seiten klar. Mit Wolf Larsen hat Jack London eine zeitlos faszinierende, weil ungemein vielschichtige Figur geschaffen. Es ergeht einem beim Lesen wie Humphrey van Weyden, den das gänzlich von Moral befreite, grausame Handeln Larsen abstößt und zugleich anzieht. Das Spannungsfeld, das sich zwischen van Weyden als Vertreter des „zivilisierten Miteinanders“, der Moral und des Anstandes und Larsen mit seiner raubtierhaften Brutalität entspinnt, fesselt von Beginn an. Stellvertretend nimmt van Weyden die Position der wohlhabenden Gesellschaft ein, die sich ihre Ansprüche von uneigennützigem Handel für das Gemeinwohl und der Wichtigkeit einer unbeschädigten Seele scheinbar nur aufgrund ihres Standes leisten kann. Konfrontiert mit der Brutalität der rauen Wirklichkeit, in der für sentimentale, moralische Betrachtungen kein Platz ist, beginnt van Weyden in seinen Grundsätzen zu wanken. Wolf Larsens bedingungsloser Glaube an die Macht des Stärkeren und deren Durchsetzung mit aller Grausamkeit erzwingt seine kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Wertvorstellungen. Ein Kampf, der zeitlos aktuell ist, weil zwar die Protagonisten wechseln mögen, die Fronten die Jahrhunderte jedoch überdauern.
Neben aller sozialkritischen und psychologischen Aspekte und Betrachtungen ist „Der Seewolf“ aber auch die packende Abenteuergeschichte einer Landratte auf hoher See. Jack London beschreibt den Mirkokosmos des Schoners „Ghost“ mit seinen rauen Matrosen, brutalen Robbenjägern und seinem tyrannischen Kapitän derart lebendig, dass man die Gischt im Gesicht spürt und das Knarren der Takelage hört. Dem Amerikaner ist es, sicherlich nicht zuletzt wegen eigener entsprechender Erfahrungen, gelungen Abenteuer mit Anspruch zu einer Einheit zu verbinden, die zum Nachdenken aber auch Mitfiebern einlädt.

