Rattentanz

Rattentanz

Autor Michael Tietz Genre Roman
Verlag Bookspot Verlag
ISBN 978-3-937357-37-9
Erscheinungsdatum (D) Mai 2009   Seiten 837

Inhalt

23. Mai, 7 Uhr, mitten im idyllischen Schwarzwald. An einem Frühlingsmorgen wie
jedem anderen auch, bricht sich hier der globale Albtraum Bahn. Von einer Sekunde zur
anderen ist nichts mehr, wie es war. Flugzeuge stürzen ab, sämtliche Kommunikationssysteme der modernen Zivilisation brechen zusammen, das weltweite Stromnetz scheint es nicht mehr zu geben. Die Bürger des kleinen Ortes Wellendingen wissen zunächst gar nicht, wie ihnen geschieht. Noch glauben alle, es mit einem vorübergehenden Zusammenbruch sämtlicher Systeme zu tun zu haben, sind fest davon überzeugt, dass „die da oben“ die Sache schnell wieder in den Griff bekommen werden. Dass dieser Zustand alles andere als vorübergehend und schnell wieder zu beheben ist, kann und will sich in Wellendingen keiner vorstellen.

Eva Seger befindet sich zur Zeit des Kollapses im Krankenhaus in Donaueschingen, wo sie als Krankenschwester arbeitet. Ihr Mann Hans ist auf Dienstreise in Schweden und erlebt auch dort den totalen Zusammenbruch sämtlicher technischer Errungenschaften: Telefon und Computer funktionieren nicht mehr, Flugzeuge können nicht mehr starten, viele wichtige Verbindungsstraßen und Brücken sind plötzlich unpassierbar. Während überall auf der Welt Chaos, Gewalt und Anarchie ausbrechen, kennen Hans und Eva Seger nur ein Ziel: Sie müssen zurück nach Wellendingen, denn dort befindet sich ihre Tochter Lea, die trotz des Zusammenbruchs unserer modernen Gesellschaft unerschütterlich an die Heimkehr ihrer Eltern glaubt.

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Großartig! Dieser Debütroman des süddeutschen Autors Michael Tietz überzeugt von der ersten bis zur letzten Seite. Hier bekommt der Leser eine packende, grandios erzählte und zugleich erschreckend authentische Geschichte erzählt, die zugleich Thriller und Endzeitroman ist. Vor allem die durchweg glaubwürdigen Charaktere sind es, die an „Rattentanz“ so fesseln. Jede der unzähligen Figuren dieses Romans vermag es, durch eine scharfe und sichere Zeichnung zu überzeugen. Ob nun die besorgte Mutter Eva Seger, der Alkoholiker Frieder Faust, die Bösewichte im Krankenhaus, der geltungssüchtige Mitläufer Bubi oder „die hässlichste Frau der Welt“ – sie alle bestechen durch eine kaum zu fassende Authentizität. Tietz gelingt es, all diesen unterschiedlichen Charakteren Leben einzuhauchen, sie Teil einer Geschichte werden zu lassen und sie so in das große Ganze seines Romans einzuweben. Gleichzeitig macht er deutlich, wie unterschiedlich wir Menschen ticken, dass es in einer derartigen Ausnahmesituation kein Richtig oder Falsch mehr geben kann. Er lässt uns in die Abgründe der menschlichen Spezies blicken, zeigt auf, wie schnell von Nächstenliebe keine Rede mehr ist. Und doch gibt es auch in „Rattentanz“ noch Menschen, die hoffen lassen, die selbst im dunkelsten Mittelalter und in tiefster Not noch bereit sind, anderen zu helfen.

So ist „Rattentanz“ doch auch ein sehr hoffnungsvoller Roman, der uns deutlich macht, welche Werte wirklich zählen. Unwillkürlich kommen Fragen wie „Wie würde ich selber reagieren?“, „Könnte ich ohne den Luxus der modernen Zivilisation überleben?“ oder „Auf welche Menschen könnte ich mich bedingungslos verlassen?“ auf. Fragen, die sich nicht so leicht beantworten lassen, die einen ziemlich ins Grübeln bringen und die zeigen, wie wenig wir es noch gewohnt sind, von anderen Menschen abhängig zu sein, uns in ein soziales Netz einzubinden. Michael Tietz provoziert durch seinen Roman, lässt Horrorszenarien erstehen, die aber dennoch schon morgen so oder so ähnlich möglich wären. Eine besonders sorgfältige Recherche und medizinisches Hintergrundwissen des Autors machen „Rattentanz“ von der ersten Sekunde an absolut glaubwürdig. Diesen Endzeitthriller sollte man sich keineswegs entgehen lassen – danach sieht man das scheinbar so stabile Gerüst unserer Gesellschaft etwas kritischer und nimmt die vielen Vorzüge des modernen Zeitalters als nicht mehr ganz so selbstverständlich hin.

Wissenswertes

Die Arbeit an diesem Roman nahm vom ersten Gedanken bis zum letzten Wort drei Jahre in Anspruch.

Interview mit Michael Tietz zu "Rattentanz".

Besucherbewertung

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Kommentare


Kommentare

Frédéric Schneider schreibt am 08.06.11, 16:14
Ich habe noch nie ein so gutes Buch gelesen!!!!
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