Ich war Kaiser von China

Autor: Pu Yi
Genre: Biographie
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-21168-0
Erscheinungsdatum (D) 1973 Erschienen 1964
Seiten 452
Übersetzung Richard Schirach, Mulan Lehner

Ich war Kaiser von China Wo-ti ch'ien-pan sheng

Inhalt

Bereits als Kind auf den chinesischen Drachenthron gesetzt, muss der letzte Kaiser Chinas bereits 1912 unter dem Druck der ersten chinesischen Revolution abdanken. Unter allen Umständen will er auf diesen Thron zurückkehren. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ihm jedes Mittel recht.

Pu Yi gewährt in seiner Autobiographie Einblicke in die Welt der verbotenen Stadt und eröffnet dem Leser eine faszinierende, mit ihm untergegangene Welt. In den Wirren des chinesischen Bürgerkriegs landet er in den Gefängnissen der Volksrepublik und wird in neun Jahren Umerziehung zu einem überzeugten Anhänger Mao Zedongs.

Buchkritik von Gabriele  Frommholz

Der letzte chinesische Kaiser erzählt seine Lebensgeschichte und liefert ein einmaliges Dokument jüngerer chinesischer Zeitgeschichte. Vorab eine Bemerkung an den Leser interessanter Biographien: Pu Yis Werk gibt Aufschluss über Fragen, die sich zum Beispiel Hobbyhistoriker, Hobbypsychologen oder auch Hobbypädagogen stellen mögen. Der vollkommen unvoreingenommene Hobbyhistoriker bekommt eine wunderbare Antwort auf seine Frage „Was ist Geschichte?“ Sie, die Geschichte, setzt sich zusammen aus Erlebtem und aus gemachten Erfahrungen; kurzum aus Geschichten. Pu Yis Leben ist hier ein unerschöpflicher Fundus. Passagen, die den Psychologen und Pädagogen interessieren, schildern auf sehr eindrucksvolle Weise, was Erziehung 1. zu leisten und 2. nicht zu leisten vermag. Zum Beispiel schildert der letzte Kaiser, welche Auswirkungen die Entfernung seiner wichtigsten Bezugsperson, seiner Amme, aus seinem direkten Umfeld auf ihn hatte. Er wurde zum Spielball von Intriganten, die ausschließliche die eigenen Machtinteressen verfolgten. Pu Yi verschweigt aber auch seine dunkle Seite nicht. Der Leser lernt ihn als Sadisten kennen, der durchaus im Stande war, seinen Sadismus auszuleben. Er ist schließlich Kaiser von China, ergo legitimiert, Menschen auf bestialische Weise umzubringen. Die absolut schockierendste Erkenntnis dieses Buches ist die Tatsache, dass ausgerechnet Mao Zedong (Historiker bezeichnen ihn als den größten Massenmörder aller Zeiten), Pu Yi am Leben ließ und ihm so die Chance zur Selbstfindung gab. Letztlich nur aus eiskaltem Kalkül. Für Pu Yi war jedoch der Weg vom fremdbestimmten Kaiser im goldenen Käfig zum einfachen Arbeiter, der seine Kleidung selbst herstellte, keine Strafe sondern der Weg zum inneren Frieden. Spannender kann Lektüre kaum sein!

Der deutsche Taschenbuchverlag legte 2009 das eindrucksvolle Zeitzeugnis erneut auf.

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