Arkadien erwacht

Autor: Kai Meyer
Genre: Fantasy
Verlag: Carlsen
ISBN: 978-3-551-58201-0
Erscheinungsdatum (D) Oktober 2009 Seiten 416

Arkadien erwacht

Inhalt

Die siebzehnjährige Rosa Alcantara hat eine Zeit der Trauer und des Leids hinter sich und beschlossen, die USA vorerst hinter sich zu lassen. Jetzt sitzt sie bereits im Flugzeug und kommt ihrem Ziel näher. Sizilien soll ihre neue Heimat werden, das Haus ihrer Tante auch ihr Heim. An die Eigenarten dieses italienischen Familienzweigs ist sie schon lange gewöhnt, auch an die ständige Polizeiüberwachung, denn die Familie Alcantara ist einer der bedeutensten Mafiaclans auf Sizilien. Dennoch fühlt sie sich wie in einem schlechten Film gefangen, als sie erfährt, dass ihre Flugzeugbekanntschaft Alessandro ausgerechnet zum Clan der Carnevares gehört – mit den Alcantaras durch alte Feindschaft zerstritten. Dennoch trifft Rosa sich weiterhin mit Alessandro und beginnt langsam zu ahnen, dass die Familien weit mehr verbergen als nur die Machenschaften der Mafia...

Buchkritik von Karolin  Kullmann

Die Nachkommen zweier verfeindeter Familien lernen sich kennen – und verlieben sich verbotenerweise ineinander. Diese Geschichte dürfte jedem bekannt vorkommen, doch was machen Romeo und seine Julia in einem Roman von Kai Meyer? Nichts, denn nicht sie sind die Akteure, sondern Rosa und Alessandro - allein das Muster ist bekannt. Doch Meyer lehnt sich nicht nur an Shakespeares Klassiker an, sondern schafft auch Neues. Er konstruiert um die romantische Geschichte der beiden eine Atmosphäre aristokratischen Anmuts, edler, etwas heruntergekommener Herrschaftshäuser und altehrwürdiger Traditionen. Auch die Figuren zeigen eigensinnige Charakterzüge, obgleich Rosa gerade anfangs zu hart und provokant wirkt.
Wenngleich Meyer mit vielen Klischees arbeitet und die Mafia als undurchschaubares Konstrukt sich kaum so simpel darstellen lässt, gibt die Fehde zwischen den Familien dem Roman einen düsteren Einschlag, der viel Abenteuer verspricht. Selbst das finstere Geheimnis um die Clans wirkt faszinierend und macht neugierig auf kommende Ereignisse.
Obwohl der Schauplatz das heutige Sizilien ist, gelingt es dem Autor, die meyerschen Fantasy-Elemente nahtlos einzufügen. So werden Gestaltwandler Teil einer modernen Welt, bekommen alte Legenden einen Platz im Erzählten. Hier spielt Kai Meyer vor allem mit dem Mythos um Arkadien, einem Landstrich in Griechenland, der schon in der Antike zu einem Ort vollkommenen Glücks verklärt wurde. Dass dahinter sicher noch viel mehr steckt, als im ersten Teil der Reihe verraten wird, scheint selbstredend und auch sonst bleiben viele Fragen offen, die ein ungeduldiges Warten auf den zweiten Teil heraufbeschwören. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht auch diese Buchreihe abdriftet in überkonstruierte Szenarien, die das Ende der Welt unausweichlich scheinen lassen.
„Arkadien erwacht“ ist ein gelungener Auftakt, der Abenteuer und Zweisamkeit, Wildheit und Sanftmut verbindet und erneut Kai Meyers Ideenreichtum zur Geltung bringt.

"Arkadien erwacht" ist der erste Teil von Kai Meyers neuer Trilogie.

Interview mit Kai Meyer zu "Arkadien erwacht".

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