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Spinner
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Autor
Benedict Wells
Genre Roman
Verlag Diogenes ISBN 978-3-257-06717-0 Erscheinungsdatum (D) August 2009 Seiten 320 |
Inhalt
Jesper Lier ist 20 Jahre alt und hat große Erwartungen an das Leben: Nach seinem Abitur flüchtete er auf direktem Weg von München nach Berlin, um sich dort ein eigenes Leben aufzubauen. Sein großes Ziel ist es, einmal ein berühmter und großer Schriftsteller zu werden. Um sich in aller Ruhe auf seine Karriere konzentrieren zu können, speist er seine Mitmenschen mit Lügen über sein Leben in Berlin ab. Offiziell studiert er erfolgreich Geschichte, hat eine angehende Anwältin zur Freundin und steht kurz vor der Beendigung seines ersten Romans. In Wirklichkeit stimmt jedoch nicht von alledem. Die Wahrheit sieht viel eher so aus, dass sich Jesper mit der Geschichte seines Romans hoffnungslos übernommen hat und diese Tatsache mit Hilfe von Alkohol verdrängt. Wie gut, dass er dennoch Freunde hat, die in ab und an aus seinem Keller am Prenzlauer Berg befreien, um ihn das Leben kosten zu lassen…
Buchkritik von Kathrin Lang
Auch Benedict Wells zweiter Roman „Spinner“ besticht vor allem durch seine starken Figuren. Wie schon in „Becks letzter Sommer“ entwirft Wells nun auch in seinem zweiten Werk das Porträt eines Antihelden, der mit dem Leben überfordert ist und unglücklich seinen offenbar sinnlosen Alltag bestreitet. Auch in „Spinner“ machen die Schwächen der Figuren die Stärke der Geschichte aus. Das mehr oder minder aussichtloses Dasein, aus dem es auszubrechen gilt, um sich anschließend selbst zu finden, hat etwas ungemein Spannendes an sich. Obwohl Wells innerhalb mancher Passagen seines „Spinners“ etwas über das Ziel hinausschießt und das ganze Desaster etwas zu offensichtlich und überzeichnet offen legt, ist Protagonist Jesper dennoch ein durchaus sympathischer Typ, dem man nur all zu gerne helfen würde, aus dem Teufelskreis seines tristen Daseins auszubrechen. An dieser Stelle kommen die Nebenfiguren zum Tragen, die Jesper eine Stütze sind und ihm tapfer beiseite stehen. Für den Leser bedeuten sie hingegen Abwechslung und einen gelungenen Kontrast zu der Geschichte rund um den verzweifelten Autor.
Hat sich Benedict Wells mit „Becks letzter Sommer“ noch der großen Herausforderung gestellt, einen Protagonisten durch seine Zeilen entstehen zu lassen, der mehrere Jahre älter als er selbst ist, dürfte Wells in „Spinner“ mit seinem Jesper nun viel näher an sich selbst dran sein. Diese Nähe, die sicherlich auch einige Deutungen über biografische Parallelen zulässt, merkt man „Spinner“ deutlich an. Souverän erzählt Benedict Wells eine Geschichte, die zwar absurd, aber dennoch glaubhaft ist. Lustige Momente werden dem Leser hier ebenso vergönnt, wie tiefgreifende und philosophische Gedankenflüsse über das Leben und dessen Sinn oder Unsinn.
Hätte sich Wells an einigen Stellen etwas zurückgenommen, wäre „Spinner“ erneut ein makelloses Werk geworden. Leider kann er sich oftmals jedoch nur schwer stoppen und lässt den Leser zusammen mit seinem Protagonisten über mehrere Seiten hinweg in endlosen Schilderungen über Halluzinationen und deren Auswirkungen versumpfen. Weniger wäre in diesem Fall sicherlich mehr gewesen. Dennoch ist „Spinner“ ein würdiger Nachfolgeroman, der Benedict Wells auf dem Büchermarkt als Autor weiter fest etabliert.

