Unverstanden

Martin Misunderstood

Unverstanden

Autor Karin Slaughter Genre Thriller
Verlag Blanvalet
ISBN 978-3-442-37281-2
Übersetzung Klaus Berr Erscheinungsdatum (D) April 2009   
Erschienen 2008  Seiten 176

Inhalt

Martin Reed ist ein Außenseiter, wie er im Buche steht. Egal, ob nun früher in der Schule oder im Bekanntenkreis – immer schon war er die Zielscheibe boshafter Streiche und kleiner und großer Gemeinheiten. Obwohl er in seiner Firma als Chefbuchhalter geschätzt wird, nimmt ihn im Kollegenkreis doch keiner ernst. Auch zuhause ergeht es Martin nicht viel besser: Noch immer wohnt der Mann mittleren Alters bei seiner zänkischen Mutter, die ihm nur zu gerne das Leben zur Hölle macht. Dabei sehnt sich Martin doch nur nach ein bisschen Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit – doch sein Aussehen trägt nicht gerade dazu bei, dass ihm die Frauen die Tür einrennen.

Dann wird eines Tages die grausam zugerichtete Leiche einer Kollegin Martins im Straßengraben gefunden – und plötzlich steht der leicht übergewichtige Mann im Mittelpunkt des Interesses. Denn je länger sich Detective Anther Albada mit dem Fall beschäftigt, desto mehr Verdachtsmomente tauchen auf, die direkt auf Martin als Täter weisen. Als dann auch noch eine zweite Tote im Waschraum von Martins Firma gefunden wird, bekommt dieser ernsthafte Probleme; denn diese Kollegin von Martin war immer besonders gehässig zu ihm. Dass Detective Albada, in die Martin heimlich verliebt ist, zunächst von seiner Unschuld überzeugt ist, scheint ihm da nur noch wenig zu helfen…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 3 von 5 Bs Auch wenn es zunächst nicht so erscheinen mag, ist „Unverstanden“ viel weniger ein Thriller, wie wir ihn aus der Feder Karins Slaughters gewohnt sind, als vielmehr die Charakterstudie eines einsamen und von aller Welt missverstanden Mannes. Messerscharf und äußerst glaubhaft zeichnet Slaughter die Figur dieses Martin Reed, der stets die Zielscheibe von Spott und Hohn ist. Es entsteht das Bild eines einsamen, desillusionierten und traurigen Mannes, der die Chance, Bedeutung zu erlangen ergreift, als sie sich ihm bietet. Es ist dieser Martin Reed, der die Faszination des Lesers weckt und nicht etwa die Mordfälle oder die Ermittlungen der Polizei. Aus diesem Grund ist „Unverstanden“ alles andere als ein packender Thriller, der den Leser von Anfang bis Ende nicht zu Atem kommen lässt.

Dennoch gelingt es Slaughter auch hier wieder, ihre Leser mit den menschlichen Abgründen und Gemeinheiten, von denen sie fast beiläufig erzählt, restlos zu schocken. Ob einem Martin Reed nun sympathisch ist oder nicht, ist dabei ganz und gar nebensächlich; es ist einzig und allein die Überlegung wichtig, wozu ein Mensch fähig sein könnte, um endlich einmal Bedeutung für andere zu erreichen. Genrefans sollten sich allerdings nicht von der Deklaration des Buches als Thriller täuschen lassen, sondern sich darüber bewusst sein, dass „Unverstanden“ ein gänzlich anderer Karin Slaughter-Roman ist, als wir ihn gewohnt sind.

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