Das Leben der Wünsche

Das Leben der Wünsche

Autor Thomas Glavinic Genre Roman
Verlag Hanser
ISBN 978-3-446-23390-4
Erscheinungsdatum (D) August 2009   
Erschienen 2009  Seiten 320

Inhalt

Jonas kann nur schwer glauben, was ihm widerfährt, als sich ein Unbekannter neben ihn auf die Parkbank setzt, um ihm anschließend zu eröffnen, dass er drei Wünsche frei habe. Drei Wünsche, die einfach so in Erfüllung gehen? Selbst Tage nachdem Jonas einige seiner größten Wünsche geäußert hat, glaubt er noch nicht an die Wahrhaftigkeit der absurden Aussage. Schon bald geschehen jedoch seltsame Dinge in seinem Alltag. Zunächst harmlos, dann immer gravierender. Schnell muss sich Jonas eingestehen, dass sein Leben auf schier groteske Art und Weise einige Wendungen nimmt.

Buchkritik von Kathrin Lang

Kathrin vergibt 6 von 5 Bs Mit „Das Leben der Wünsche“ veröffentlicht der österreichische Autor Thomas Glavinic einen Roman, der sich stark an sein früheres Werk „Die Arbeit der Nacht“ (2006) anlehnt. Zeitlich einzuordnen ist die Geschichte rund um Protagonist Jonas vermutlich vor dem apokalyptischen „Die Arbeit der Nacht“. Wie man es dreht und wendet, schlussendlich dürfte die Lesereihenfolge jedoch vollkommen gleichgültig sein. In gewisser Weise bedingen sich die beiden Romane gegenseitig – unabhängig davon welches zuerst steht oder gelesen wird. Sicher ist jedoch, dass die Gegenüberstellung für enorme Spannung sorgt. Immer wieder blättert man während dem Lesen des einen Buches in dem anderen. Vergleiche werden gezogen, Fakten überprüft, die Erinnerung aufgefrischt. Das ein oder andere Aha-Erlebnis fördert dies jedenfalls zu Tage, was das Lesevergnügen ungemein antreibt.

Ebenfalls großartig, dass die beiden Werke problemfrei auch alleine stehen und wirken können. Wieder einmal entwirft Thomas Glavinic eine fantastische Geschichte, die den Leser herausfordert. Glavinic liebt es kleine Häppchen zu präsentieren, um anschließend den Leser selbst einige gedankliche Arbeit leisten zu lassen. Wo anderen Autoren bei solch experimentellen Stilen die Spannung verloren geht, braucht sich Glavinic über dieses Problem nicht im Geringsten den Kopf zu zerbrechen. Obwohl viele Fragen offen bleiben und der Leser sich seiner Spur bis weit nach der letzten Zeile nicht sicher ist, so wurde aus „Das Leben der Wünsche“ dennoch ein durch und durch fesselnder Roman, der das große Thema Vergänglichkeit von Zeit, Leben, Momenten und Erinnerungen fantastisch einfängt. Mit einem erschreckend genauem Blick skizziert der Autor die Untiefen eines Alltags, der Gedanken, Sorgen und Emotionen mit sich bringt, wie wir sie alle kennen – aber niemals so präzise formulieren könnten. Wieder einmal ist es die ausgefallene Sprache und das spannende Spiel mit dem Leser, das „Das Leben der Wünsche“ auszeichnet und zu einem Werk der Extraklasse werden lässt.

Wissenswertes

Jetzt die Buchkritik zu "Die Arbeit der Nacht" lesen:
Die Arbeit der Nacht

"Das Leben der Wünsche" war für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Interview mit Thomas Glavinic (2009).

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