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Kommende Buchkritiken
Pestalozzis Berg
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Autor
Lukas Hartmann
Genre Roman
Verlag Diogenes ISBN 978-3-257-24023-8 Erscheinungsdatum (D) November 2009 Seiten 195 |
Inhalt
Der große Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi befindet sich an einem Wendepunkt seines Lebens. In der Überzeugung, man könne das Volk nur durch Bildung aus dem sozialen Elend befreien, baut er 1798 in Stans, im Schweizer Kanton Nidwalden eine Anstalt für Kriegswaisen auf. Hierher werden Kinder gebracht, deren Eltern während der Verwüstungen der französischen Revolutionsarmee ums Leben kamen. Bis zu achtzig Kinder muss Pestalozzi zeitweise in einem baufälligen Flügel des Kapuzinerinnen-Kloster versorgen – eine Aufgabe, die dem Pädagogen alles abverlangt. Nicht nur gegen Kälte, Hunger und Verwahrlosung hat Pestalozzi zu kämpfen, sondern auch gegen das Unverständnis seiner Mitmenschen und insbesondere der eigenen Ehefrau.
Als das Kloster in ein Militärlazarett umgewandelt werden soll, muss Pestalozzi mit seinen Kindern weichen. Ihm wird Unfähigkeit als Erzieher vorgeworfen – eine Tatsache, die ihn schließlich zusammenbrechen lässt. Bei seinem Freund Zehender, der ein Kurhotel in den Schweizer Bergen betreibt, hofft Pestalozzi auf Ruhe und Erholung von den Qualen der vergangenen Zeit.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Johann Heinrich Pestalozzi – der große Schweizer Pädagoge, der mit seiner damals revolutionären Pädagogik vor allem dem einfachen Volk ein sicheres Fundament an Elementarbildung vermitteln wollte. Lukas Hartmann gelingt es, den Leser vom idealisierten und verklärten Philanthropen wegzuführen und Pestalozzi vielmehr als Menschen voller Unsicherheiten und Ängste zu schildern. Es ist nicht immer sympathisch, was man hier zu lesen bekommt und keinesfalls wird Pestalozzi als platonischer Menschenfreund dargestellt. Doch ist es nicht genau das, was einem Menschen auch wirklich gerecht wird – als Mensch mit Fehlern und dunklen Seiten geschildert zu werden? Gerade die ambivalenten Seiten des Pädagogen bilden den Reiz dieses Romans, der zugegebenermaßen nicht immer angenehm zu lesen ist.
Hartmann macht deutlich, dass Pestalozzi nicht nur ein Mann der Worte war, sondern dass er vielmehr handelte, um die erbärmlichen Lebensbedingungen der Armen in der Schweiz ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Dabei scheute er sich nicht davor, selbst sein Leben in diesen Verhältnissen zuzubringen. Auch wenn seine pädagogischen Ideen aus heutiger Sicht teilweise pathetisch und veraltet klingen, wird doch deutlich, wie wichtig sie für die damalige Zeit waren und bis heute noch sind. In „Pestalozzis Berg“ verwandelt Lukas Hartmann den Mythos Pestalozzi in einen Menschen aus Fleisch und Blut.
Wissenswertes
Die Erstausgabe erschien 1978 im Zytglogge-Verlag, Bern/Gümlingen. Diese Ausgabe basiert auf der bei Nagel & Kimche, Zürich/Frauenfeld, erschienenen überarbeiteten Fassung von 1988.
