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Das Herz ihrer Tochter
Change of Heart
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Autor
Jodi Picoult
Genre Roman
Verlag Piper ISBN 978-3-4920-5300-6 Übersetzung Ulrike Wasel , Klaus Timmermann Erscheinungsdatum (D) September 2009 Erschienen 2008 Seiten 460 |
Inhalt
Auf grausamste Art und Weise wurden ihr vor elf Jahren der Ehemann und die kleine Tochter genommen. Nun steht June Nealon vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens: Genau der Mann, der für den Mord an Kurt und Elizabeth verurteilt wurde, möchte nun sein Herz Junes zweiter, schwer herzkranker Tochter Claire spenden. Doch wie kann June zustimmen, das Herz eines Mörders in der Brust ihrer geliebten Tochter schlagen zu lassen? Damals hatte sie Shay Bourne, einem arbeitslosen Wanderarbeiter, bedingungslos vertraut. Sie ließ ihn in ihr Haus und kurz darauf waren die beiden wichtigsten Menschen in ihrem Leben tot. Bourne wurde zum Tode verurteilt, doch wie kann das den Verlust einer Mutter und Ehefrau wieder aufwiegen?
Im Staate New Hampshire erfolgt die Hinrichtung eines Delinquenten durch eine Giftspritze – was eine Herztransplantation unmöglich machen würde, da das Organ dadurch nicht überlebensfähig wäre. Das ruft die Anwältin Maggie auf den Plan, die bei der ACLU arbeitet. Sie möchte erreichen, dass Shay nicht wie üblich durch die Giftspritze, sondern durch den Strang den Tod findet, denn das würde eine Organspende möglich machen. Dabei plädiert Maggie auf das Recht auf freie Religionsausübung bei einem zum Tode Verurteilten. Gemeinsam mit dem katholischen Priester Michael kämpft sie dabei auf verlorenem Posten – denn nach wie vor ist nicht klar, ob June Nealon das Herz Shays für ihre Tochter überhaupt annehmen wird.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Erneut beweist Jodi Picoult, dass sie in der Lage ist, spannende Geschichten zu erzählen und sie gleichzeitig mit brisanten Themen zu verknüpfen. Die nach wie vor umstrittene und heftig diskutierte Todesstrafe in den USA ist hier ebenso Thema wie Organspende und Religionsfreiheit. Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf der Bibel und der Frage, warum vier Evangelien im Neuen Testament Einzug gehalten haben, während andere, die so genannten gnostischen Evangelien als nicht glaubwürdig eingestuft wurden. Auch wenn die Verbindung eines zum Tode Verurteilten mit der Bibel und dem Messias zunächst etwas abenteuerlich wirkt, gelingt es Picoult, hier einen Zusammenhang herzustellen, der sehr nachdenklich stimmt. Die Autorin lässt hier das Spiegelbild der USA, eines durch und durch fortschrittlichen Landes entstehen, das aber dennoch an einer mittelalterlichen Vergeltungsmaßnahme festhält – der Todesstrafe, die nach wie vor in vielen Staaten legal ist. Ohne zu moralisieren erzählt sie dabei eine Geschichte – die Geschichte eines zum Tode verurteilten Mörders, die Geschichte einer todunglücklichen und verzweifelten Mutter, die Geschichte einer Anwältin, die vor allem den Menschen hinter dem Gefangenen sieht und die Geschichte eines Priesters, der in eine Glaubenskrise gerät, weil er erkennt, dass eine frühere Entscheidung komplett falsch war, auch wenn alle ihn glauben ließen, es sei die völlig richtige.
Alle beteiligten Personen kommen hier zu Wort, für jeden kann der Leser Verständnis entwickeln, so dass die unterschiedlichen Reaktionen alle irgendwie nachvollziehbar sind. Dennoch ergreift die Autorin ganz offensichtlich Partei – und das ist auch gut so! Auf wirklich mutige Art und Weise lotet sie so die Grenzen zwischen Richtig und Falsch aus und macht am Ende vor allem eines deutlich: Egal, ob schuldig oder nicht, Gleiches mit Gleichem zu vergelten ist nicht nur zweifelhaft, sondern zutiefst inhuman und verabscheuungswürdig. „Das Herz ihrer Tochter“ ist ein spannender, packender und durch und durch gesellschaftskritischer Roman, der bewegt und zutiefst beeindruckt.
