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Kommende Buchkritiken
Unter der Asche
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Autor
Tom Finnek
Genre Historischer Roman
Verlag Ehrenwirth ISBN 978-3-431-03782-1 Erscheinungsdatum (D) August 2009 Seiten 653 |
Inhalt
London im 17. Jahrhundert. Nachdem die Schreckensherrschaft der Puritaner beendet ist, gedeiht der Handel wieder in der Stadt an der Themse. An deren Südufer, in den Gassen von Southwark ist der dreizehnjährige Geoff damit beschäftigt, für seinen Unterhalt zu sorgen. Dabei bedient er sich mehr oder weniger redlicher Mittel, was in einer Umgebung, wo Menschen und Tiere sich um die Essensreste streiten, nicht ganz einfach ist. Geoffs Vater ist ein hoffnungsloser Säufer, sein Bruder Edward ist schon seit längerem spurlos verschwunden und Geoffs Mutter ist angeblich kurz nach seiner Geburt mit einem Tross von Soldaten durchgebrannt. Lediglich seine Schwester Jezebel ist ihm noch geblieben, sie arbeitet mit ihm zusammen bei dem Wirt einer Spelunke, der auch gleichzeitig ihr Vermieter ist. Von Master Gerrard, einem seltsamen Eremiten, wird Geoff jeden Sonntag in der Armenschule unterrichtet.
Als dann sein Vater an der Pest stirbt und auch noch Jezebel spurlos verschwindet, ist Geoff ganz auf sich allein gestellt. Doch er findet bald schon heraus, dass einige Fäden im „Maiden Inn“ in Lambeth zusammenlaufen – und dass vieles von dem, was sich dort ereignet, direkt oder indirekt mit seiner eigenen Vergangenheit zu tun hat. Was Geoff allerdings nicht ahnt ist, dass jemand nach Rache dürstet und dass dieses Verlangen schließlich zum Feuer des Großen Brandes führen wird, der ganz London zu vernichten droht.
Buchkritik von Stefanie Rufle
„Junge, bildschöne Frau muss ihr Wissen vor der grausamen Männerwelt verstecken, gegen böse Feinde kämpfen, um am Ende dann ihr Glück zu finden.“ Das ist mittlerweile leider das gängige Muster geworden, das in vielen Historischen Romanen zu finden ist. „Unter der Asche“ hat auf herzerfrischende Weise aber auch gar nichts damit zu tun. Hier erzählt der dreizehnjährige Geoff in seiner herrlich frechen Gossensprache die Geschichte seiner Familie und sorgt dabei für manchen Lacher. Der Roman ist in der Zeit vor dem Großen Feuer im Jahr 1666 angesiedelt, während dem London vier Tage lang brannte, und Tom Finnek gibt hier seine eigene Interpretation der Umstände, die zu diesem Brand führten zum Besten. Dabei lässt er allerdings nicht nur Geoff, sondern auch andere am Geschehen beteiligte Personen zu Wort kommen, was der Handlung spürbar Tiefe verleiht und dem Leser die Möglichkeit gibt, eigene Schlüsse zu ziehen.
Viele unterschiedliche Elemente werden hier auf schlüssige Art und Weise miteinander verknüpft. Finnek schildert die schrecklichen Folgen der Beulenpest, die die Menschen nur so dahinraffte, lässt den Leser an skurrilen Theateraufführungen teilhaben, die zu der Zeit durchaus üblich waren und erzählt anschaulich von den Lebensumständen der Londoner Unterschicht im 17. Jahrhundert. Dabei vermischt er gekonnt geschichtlich belegte Personen und Fakten mit Fiktion und lässt so eine spannende, packende und liebenswerte Geschichte vor dem inneren Auge des Lesers erstehen. „Unter der Asche“ ist ein hervorragend recherchierter und mit viel Witz und Können erzählter Historischer Roman, den Liebhaber des Genres verschlingen werden.
