Aktuelle Autoren
Aktuelle Buchkritiken
- März
- African Queen
- März
- Ashby House
- März
- Atem
- März
- Aufziehendes Gewitter
- März
- Die Bestimmung
- März
- Die Geheimnisse des Nic...
- März
- Die Nacht
- März
- Die Schuldlosen
- März
- Du und ich
- März
- Etwas endet, etwas beginnt
- März
- Garp und wie er die Welt sah
- März
- Nachricht von dir
- März
- Räuberleben
- März
- Schwarzer Schmetterling
- März
- Sie und er
- März
- Splitterwelten
- April
- Die 39 Zeichen - 9
- April
- Liebe und andere Ver...
- April
- Sarg niemals nie
- April
- Schweig still mein M...
- Mai
- Der Wald wirft schwarze Sch...
- Mai
- Meine Schwester lebt auf...
- Mai
- Oneiros
- Mai
- Schnitt
Kommende Buchkritiken
Siebzehn Silben Ewigkeit
Le facteur émotif
|
Autor
Denis Theriault
Genre Roman
Verlag dtv ISBN 978-3-423-24743-6 Übersetzung Saskia Bontjes van Beek Erscheinungsdatum (D) Oktober 2009 Erschienen 2005 Seiten 160 |
Inhalt
Bilodo scheint ein ganz normaler Briefträger zu sein. Tagsüber geht er seinem Beruf gewissenhaft nach, ist zuverlässig und immer pünktlich. Doch abends, wenn er allein in seiner Wohnung sitzt, gibt er sich seiner geheimen Leidenschaft hin: Er öffnet die Briefe fremder Leute und versetzt sich in ihr Leben. Auf diesem Wege stößt er auch auf die Briefe von Ségolène, die sie regelmäßig an ihren Brieffreund Grandpré schickt. Diese sind keine gewöhnlichen Nachrichten – die beiden schicken sich Gedichte, so genannte Haikus, die Bilodo sofort faszinieren und gänzlich gefangen nehmen. Von nun an wartet er sehnsüchtig auf jedes Schreiben von Ségolène und verliebt sich in sie. Als Grandpré bei einem Unfall ums Leben kommt, entwirft Bilodo einen wahnwitzigen Plan: Was wäre, wenn Ségolène nie erfahren würde, dass ihr Brieffreund nicht mehr lebt? Was wäre, wenn er, Bilodo, fortan die Identität des Verstorbenen annähme und die Korrespondenz mit ihr weiterführte?
Buchkritik von Karolin Kullmann
Denis Thériault erzählt eine Geschichte, die genauso abstrus wie romantisch ist. Erscheint der neugierige Charakter des Briefträgers Bilodo zunächst suspekt und ein wenig fahl, packt den Leser schnell selbst der Reiz des Verbotenen und die Vorfreude auf neue Nachrichten. Bald schon kann man es nicht mehr erwarten zu erfahren, welches Geheimnis sich hinter den stets siebzehnsilbigen Gedichten von Ségolène und ihrem Brieffreund verbirgt. Rasch ist man selbst fasziniert von diesen Haikus, einer speziellen Gedichtform aus Japan, deren Anziehungskraft durch erfrischende Leichtigkeit und lebhafte Spontaneität erzeugt wird. Der sonst oft schweren poetischen Literatur wird hier durch die asiatische Dichtkunst neuer Elan verliehen und die wenigen Seiten sind schnell gelesen, so dass man sich schon nach kurzer Zeit verblüfft auf der letzten Seite wieder findet.
Der Roman ist unheimlich dicht und birgt viel Raum für eigene Gedanken, ist der Schluss doch genauso überraschend wie in sich abgeschlossen. Selbst der Titel bildet dann eine erstaunliche Einheit mit dem Erzählten.
Zu Recht wurde Denis Thériault für „Siebzehn Silben Ewigkeit“ ein Literaturpreis verliehen, denn neben einer reizvollen Geschichte rückt er auch den ewigen Kreislauf des Lebens und die Frage nach dem Schicksal in den Fokus der Aufmerksamkeit – genau das richtige für nachdenkliche Leser und Literaturliebhaber.
Wissenswertes
Denis Thériault wurde 2006 für « Siebzehn Silben Ewigkeit » der Prix littéraire Canada-Japon verliehen.
