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Kommende Buchkritiken
Das Geburtstagsgeschenk
The Birthday Present
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Autor
Barbara Vine
Genre Roman
Verlag Diogenes ISBN 978-3-257-06731-6 Übersetzung Renate Orth-Guttmann Erscheinungsdatum (D) Oktober 2009 Erschienen 2008 Seiten 379 |
Inhalt
Ivor Tesham, Unterhausabgeordneter und ein Lebemann, wie er im Buche steht, möchte seiner Geliebten Hebe Furnal zu ihrem achtundzwanzigsten Geburtstag ein besonders prickelndes Geburtstagsgeschenk machen. Die beiden pflegen eine leidenschaftliche Liaison, bei der die Tatsache, dass Hebe verheiratet ist und einen kleinen Sohn hat, kaum eine Rolle spielt. Am 18. Mai um 19 Uhr soll sich Hebe auf dem Watford Way in einem Außenbezirk von London einfinden, denn Ivors Geburtstagsgeschenk beinhaltet eine abenteuerliche Autofahrt – und natürlich Sex. Ein riskantes Spiel, aus dem schon bald bitterer Ernst für den Politiker werden soll, denn die inszenierte Entführung endet in einer Katastrophe. Von nun an befindet sich Ivor in einem permanenten Zustand von Angst, denn er weiß nur zu gut, welche Konsequenzen ein Medienskandal für ihn hätte.
Zunächst einmal sieht es allerdings ganz danach aus, als hätte Ivor Glück im Unglück gehabt, denn offensichtlich ist niemand in der Lage, die Verbindung zwischen ihm und Hebe herzustellen. Doch als Tesham glaubt, es sei Gras über die ganze Angelegenheit gewachsen, taucht jemand auf, der ihm äußerst gefährlich werden könnte.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Barbara Vine alias Ruth Rendell ist bekannt für ihre haarscharf gezeichneten Figuren, die sie dem Leser unerbittlich und schonungslos vorführt. Gerade die Charaktere sind es, die in ihren Romanen überzeugen – doch leider wartet man darauf bei der Lektüre dieses Romans vergeblich. Seltsam blass und unnahbar wirken hier die Figuren und auch wenn Ivor Tesham ein Widerling par excellence ist, will sich der Zugang zu dieser Geschichte einfach nicht einstellen. Gewohnt routiniert gibt Vine hier einen Einblick in die Abgründe der menschlichen Seele – und die sind ganz gewiss rabenschwarz. Skandale, korrupte Politiker, Sexspiele, die gerne auch mal die Grenzen überschreiten dürfen – all das schildert die Autorin beinahe schon nebenbei, so dass der Leser sich kaum noch darüber wundert. Genau diese Atmosphäre der Lethargie ist es aber, die irgendwann das Interesse an der skandalösen Geschichte verblassen lässt. Nichts an diesem Roman berührt einen wirklich, Vergewaltigung, Erpressung, Mord – es perlt am Leser ab.
„Das Geburtstagsgeschenk“ hat sprachlich und dramaturgisch viel zu bieten, erzählt aber dennoch eine eher eindimensionale Geschichte, der es an Spannung und an interessanten Charakteren fehlt. Auch wenn es hier wieder um die Motive und Konflikte geht, die Menschen dazu bringen, anderen Gewalt zuzufügen, verfügt dieser Roman über zu wenig Tiefgang und Charme.


