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Kommende Buchkritiken
Das Recht auf Rückkehr
Het recht op terugkeer
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Autor
Leon de Winter
Genre Roman
Verlag Diogenes ISBN 978-3-257-06733-0 Übersetzung Hanni Ehlers Erscheinungsdatum (D) August 2009 Erschienen 2008 Seiten 560 |
Inhalt
Wir schreiben das Jahr 2024. Israel ist zu einem streng gesicherten Stadtstaat zusammengeschrumpft und steht kurz vor dem Kollaps. Rundherum haben die Palästinenser ihren islamischen Gottesstaat errichtet. Wer weg konnte, ist gegangen. Bram Mannheim betreibt in Tel Aviv gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Ikki eine Agentur, die sich die Suche nach verschwunden Kindern zur Aufgabe gemacht hat. Und das hat einen Grund: Vor zwanzig Jahren verschwand Brams damals vier Jahre alter Sohn Bennie spurlos. Bram, der zu der Zeit ein bekannter Hochschullehrer in Princeton war, wurde über diesem Verlust psychisch krank. Seine Ehe mit der indischen Jüdin Rachel zerbrach und der Professor wurde zum Penner, dessen Obsession von da an die Suche nach seinem verschwundenen Kind war. Auch wenn Bram irgendwann wieder in der Normalität Fuß fassen konnte, kann er bis heute nicht aufhören, über Bennies Schicksal zu grübeln.
So lebt Bram also sein neues Leben in Tel Aviv, kümmert sich um seinen Vater, den einstmals weltbekannten Professor Hartog Mannheim, der an Alzheimer erkrankt ist und entdeckt aufgrund einer neuen Serie von Selbstmordanschlägen, dass Bennies Verschwinden womöglich weltpolitische Zusammenhänge haben könnte. Diese Erkenntnis schürt Brams Hoffnung, dass Bennie doch noch am Leben ist – und er ist bereit, alles zu tun, um seinen Sohn wiederzubekommen.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Immer wieder eckt der niederländische Autor Leon de Winter mit seiner offen geäußerten Ansicht, Islamismus sei Faschismus massiv an. „Das Recht auf Rückkehr“ ist ein Roman, in dem de Winters Ansichten zum Nahostkonflikt ganz deutlich zum Tragen kommen. Dieses Buch ist als flammendes Plädoyer für das Überleben des Staates Israel stellenweise sehr gewagt und sollte deshalb auch nicht so sehr als politisches Statement, sondern vielmehr als eine groß angelegte und durch und durch packende Geschichte gesehen werden. Wenn Brams Vater Hartog von einem arabischen Terroristen erzählt, der einen Familienvater vor den Augen dessen Tochter ermordete, um ihr dann anschließend den Schädel einzuschlagen, kommt beim Lesen ein mulmiges Gefühl auf. Denn diesen Terroristen gab es tatsächlich, und er gilt für viele Araber bis heute als Held. Hartog sagt: „Also quatsch nicht vom Frieden und von ‚mit dem Feind reden’. Dieser Feind ist ein Untier. Er wird Deine Eingeweide fressen, wenn er die Gelegenheit dazu bekommt.“ Hier muss man sich unwillkürlich distanzieren, denn welche Lösung im Nahostkonflikt die richtige ist – Friedensverhandlungen oder ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn’, vermag so pauschal nicht beantwortet werden. Gleichzeitig kann man sich dieser elementaren Frage nicht gänzlich entziehen, webt sie sich doch wie ein roter Faden durch die ganze Geschichte und hält einen auch noch lange hinterher gefangen.
Auf beklemmende Art und Weise gelingt es de Winter, die Atmosphäre in diesem belagerten Staat zu beschreiben. Gleichzeitig blitzt bei aller Tragik aber auch immer wieder die fast schon sprichwörtliche Komik des Autors hervor, was die besondere Faszination dieses Romans ausmacht. Es wird ein Bogen gespannt vom Jahre 2004 in die Zukunft des Jahres 2024, ohne dass die Geschichte durch starke Übertreibungen und unrealistische Zukunftsvisionen leiden würde. Die Zeitumstände bleiben eher im Hintergrund, Themen wie der Rückzug der USA aus der Weltpolitik und die Einnahme Zentralasiens von islamischen Fanatikern werden eher nebenbei erwähnt. Wichtig und alles einnehmend ist Brams Suche nach seinem Kind – de Winter verknüpft gekonnt die privaten Probleme der Protagonisten mit dem Überlebenskampf des Staates Israel. Deshalb ist „Das Recht auf Rückkehr“ vor allem ein beeindruckendes, stellenweise sehr düsteres Buch, das so spannend und packend ist, dass man darüber Zeit und Raum vergisst.

