Hand aufs Herz

Show of Hands

Hand aufs Herz

Autor Anthony McCarten Genre Roman
Verlag Diogenes
ISBN 978-3-257-06730-9
Übersetzung Manfred Allié Erscheinungsdatum (D) September 2009   
Erschienen 2009  Seiten 336

Inhalt

Für Autohändler Hatch ist es nur eine Werbestrategie, um sein Geschäft vor dem drohenden finanziellen Untergang zu bewahren, für die 40 Teilnehmer ist es die einmalige Chance auf ein neues Leben: Ein Durchhaltewettbewerb, dessen Gewinner ein neues Auto mit nach Hause nehmen darf. Die Regeln sind dabei einfach. Jeweils eine Hand muss zu jeder Zeit das Auto berühren. Wer am längsten durchhält, der geht als glücklicher Gewinner des Wettbewerbs hervor. Die 40 Teilnehmer nehmen aus unterschiedlichen Beweggründen an dem Wettbewerb teil und stellen sich der Herausforderung mit verschiedenen Strategien. Während Tom nach der Devise ´jeder gegen jeden´ spielt und mit einem unglaublichen Selbstbewusstsein auftritt, hält die schüchterne Jess an ihrem christlichen Glauben und dem Wunsch, ihrer behinderten Tochter ein besseres Leben ermöglichen zu können fest. Mit der Zeit wird der anfängliche Einzelkämpferwettbewerb jedoch zu einer außergewöhnlichen Geschichte über ein starkes Miteinander.

Buchkritik von Kathrin Lang

Kathrin vergibt 5 von 5 Bs Es ist nun schon sein dritter Roman und noch immer zeigt sich der neuseeländische Autor Anthony McCarten nicht ideenlos. Ganz im Gegenteil: Sein neuster Roman „Hand aufs Herz“ sprüht geradezu vor tollen Einfällen und fast schon wahnwitzigen Ideen. „Hand aufs Herz“ hält neben einer ausgefallenen Story vor allem interessante und ausgereifte Charaktere für den Leser bereit. Dabei dreht sich alles um die Frage, wie verzweifelt ein Mensch sein muss, um sich auf einen solchen Durchhaltewettbewerb einzulassen. Zur Beantwortung dieser Frage führt McCarten mehrere Figuren ins fiktive Feld, die sich alle aus gänzlich unterschiedlichen Gründen für eine Teilnahme an dem absurden Wettbewerb entschieden haben. Zunehmend ins Zentrum rücken dabei vor allem zwei Menschen, deren Beweggründe unterschiedlicher nicht sein könnten, die sich im Fortlauf der Geschichte aber immer besser ergänzen. Während Tom arrogant ist und sein Leben weitgehend emotionslos und neutral an sich vorüberziehen lässt, droht seine Gegenspielerin Jess in ihrem starken christlichen Glauben langsam zu verbittern. Im Grunde sind sowohl Tom als auch Jess keine sympathischen Figuren, die man sogleich in sein Herz schließen könnte. Das geschieht erst im Fortlauf der Geschichte und dem „Seelenstriptease“, dem die beiden gnadenlos ausliefert werden. Mit das Interessanteste an „Hand aufs Herz“ ist der Wandel, den die beiden Hauptprotagonisten innerhalb des Romans vollziehen. Nach einigen Tagen beginnen sie voneinander zu lernen, gestehen sich Fehler und Schwächen ein, fangen damit an, den anderen für seine Stärken zu bewundern. Ein Wandel, den man den beiden zu Beginn nicht im Entferntesten zugetraut hätte, der von Anthony McCarten jedoch glaubhaft und spannend vollzogen wird.

Toll auch, wie es Anthony McCarten erneut gelingt, eine im Grunde tragische Geschichte gewitzt zu erzählen, ohne dass die Ernsthaftigkeit der Aussagen dabei verloren geht. Überaus tragische Szenen wechseln sich mit witzigen ab und eröffnen dem Leser einen durchweg ehrlichen Blick auf eine Gruppe Menschen, die verzweifelt und bereit ist, mit aller Kraft gegen diese Verzweifelung anzukämpfen. „Hand aufs Herz“ wirft damit einen Blick auf eine Gesellschaftsschicht, in der wir uns zunächst vielleicht noch sehr fremd fühlen, der wir uns von Kapitel zu Kapitel aber immer mehr annähern. Bei all dem Wohlstand sollte eben nicht vergessen werden, dass es im Leben immer wieder Dinge gibt, für die es sich lohnt mit allen Mitteln zu kämpfen. Und diese Dinge sind nicht immer nur materieller Natur…

Wissenswertes

"Hand aufs Herz" wurde in Neuseeland verfilmt. Regie führte McCarten selbst.

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