Die Blendung

Die Blendung

Autor Elias Canetti Genre Roman
Verlag S. Fischer
ISBN 978-3-596-20696-4
Erscheinungsdatum (D) 1935   
Erschienen 1935  Seiten 512

Inhalt

Der Gelehrte Peter Kien kann sich rühmen, die größte Privatbibliothek der Stadt zu besitzen. Als renommierter Sinologe führt er Korrespondenz auf der ganzen Welt, seine seltenen Aufsätze sind in der Welt der Wissenschaft hoch geschätzt. So sehr Kien die Bücher liebt, so sehr verachtet er die Menschen. Ein jeder ist Analphabet und weiß den Wert der Worte nicht zu schätzen. Seine Haushälterin Therese wartet eine günstige Gelegenheit ab, um Kien zu umgarnen. Ihr Trick, die Liebe zu Büchern vorzutäuschen, verschafft ihr einen Heiratsantrag. Sobald jedoch die Formalitäten erledigt sind, trennt sie ihn von seinen Büchern und der hilflose Kien verfällt allmählich dem Wahnsinn...

Buchkritik von Jane Fritsche

Jane vergibt 4 von 5 Bs Mit Elias Canettis Roman „Die Blendung“ begegnet uns die entseelte Marionette Peter Kein, die nicht wirklich ein Mensch ist, sondern eher ein Sprachrohr für die Zerrissenheit und das Chaos der modernen Welt. Sowohl zu Beginn als auch am Ende lebt der Büchermensch Kien fernab der Realität seiner Mitbürger. Seine herausragende Berufung als „größter lebender Sinologe“ klingt bedeutungsschwer und stellt zugleich nichts dar. Denn die Fähigkeiten, derer er sich rühmt, sind ebenso die Eigenschaften, mit denen sonst niemand etwas anfangen kann. „Die Blendung“ steckt voller Kommunikationsbrüche, in der ein Jeder in seiner eigenen Sprache redet, ohne den anderen dabei verstehen zu können oder zu wollen. Erst der Leser dröselt dieses Verwirrspiel aus Trug und Wahrheit in seinem Kopf auf. Canettis „Blendung“ spielt mit Wahrheit und Schein genauso wie mit Wahrnehmungen des beliebigen Individuums. Canetti selbst beschreibt dieses Phänomen als „akustische Maske“, die jede Figur trägt.



Das Schwierige beim Lesen der „Blendung“ sind die vielen Wechselfälle der Dialoge und der Ablauf des Geschehens. Wie auf einem Jahrmarkt der Merkwürdigkeiten treten seltsame Figuren (Zwerge, Bettler, Hausierer) auf und wieder ab, ohne wirklich eine Beziehung aufzubauen. Dieses Leben nebeneinander, unfähig miteinander zu kommunizieren, stellt als Aussage eine herbe Kritik am sozialen Leben der modernen Gesellschaft dar. Der beißende Witz Canettis rettet den Leser vor manchem „Verloren gehen“ im Text. Denn die vielen Irrwege, die Kien in seinem Kopf durchschreitet, sprechen immer von einer Abkehr des lebenden Organismus, von der Negation des gesellschaftlichen Lebens. Canetti beschreibt geradezu vernichtend, wie unwichtig ein Einzelner in der Masse geworden ist. Weit davon entfernt eine leichte Lektüre zu sein, gehört Elias Canettis 1931 geschriebener Roman „Die Blendung“ zur großen Literatur der Vergangenheit.

Wissenswertes

Elias Canetti (1905 – 1994) erhielt 1981 für seinen ersten Roman „Die Blendung“ den Nobelpreis für Literatur.

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