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Kommende Buchkritiken
Der Schuh auf dem Dach
La chaussure sur le toit
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Autor
Vincent Delecroix
Genre Kurzgeschichten
Verlag Ullstein ISBN 978-3-550-08771-4 Übersetzung Patricia Klobusiczky Erscheinungsdatum (D) April 2009 Erschienen 2007 Seiten 220 |
Inhalt
Ein kleines Mädchen wacht mitten in der Nacht auf und glaubt, einen Engel auf dem Dach gegenüber ihrem Fenster zu sehen. In der Dachrinne lässt er einen alten Schuh zurück, der dem Mädchen später als einziger Beweis für die Existenz des Engels dient. Sie ist jedoch nicht die Einzige, die den Schuh auf dem Dach sieht. Aus unterschiedlichen Wohnungen heraus, hat jeder Bewohner seine ganz eigene Theorie über die Herkunft des Schuhes. Da werden Geschichten erzählt von Liebhabern, die in der Eile durch das Fenster flüchten mussten, von selbsternannten Philosophen, die sich als Zeichen ihres neuen Daseins von den alten Tretern befreit haben und von eifersüchtigen Exfreunden, die ihrem Nachfolger einen Streich gespielt haben.
Buchkritik von Kathrin Lang
Innerhalb zehn Kurzgeschichten, die immer wieder fein miteinander verwoben sind, nimmt uns der französische Autor Vincent Delecroix mit auf eine philosophische Reise, die von Odysseus bis zu Flaubert führt. Je mehr Geschichten man verschlungen hat, desto tiefgründiger werden die Zeilen. Ist der Einstieg auf den ersten Blick weitgehend noch philosophiefrei, steigert Delecroix von Geschichte zu Geschichte merklich das Niveau. Zunehmend spielen Theorien von großen Denkern wie Platon, Leibnitz und Kant eine wichtige Rolle und dienen als Nährboden der Geschichten. Das ist einerseits sicherlich interessant, andererseits aber auch anstrengend. Immer wieder hat man das Gefühl, dass einem die Hälfte der Anspielungen durch die Lappen geht, wenn man mit den Primärtexten der Philosophen nur ansatzweise oder gar nicht vertraut ist. Vincent Delecroix nimmt sich keine Zeit für Erklärungen, sondern geht von einem Leser aus, der bereits genug Vorwissen zum Verständnis der Zeilen mitbringt. Das ist schade und mindert das Lesevergnügen.
Abseits von dem Gefühl, ständig etwas Wichtiges oder Interessantes zu verpassen, ist Vincent Delecroix mit „Der Schuh vom Dach“ jedoch ein tolles Buch gelungen. Sein schriftstellerisches Talent beweist er vor allem durch den häufigen Wechsel seiner Protagonisten. Mal lässt er einen Familienvater zu Wort kommen, mal eine alte Dame, dann einen selbsternannten Philosophen und als Höhepunkt sogar einen Hund. Immer klingen seine Zeilen anders und der jeweiligen Situation hervorragend angepasst. Außerdem stellt Delecroix sein Händchen für unvorhergesehene Wendungen unter Beweis. Zumeist verlaufen die Geschichten anders, als zu Beginn noch vermutet. Das sorgt für Spaß und hält den Leser während den meisten Episoden hervorragend bei Laune.
