Seelen

The Host

Seelen

Autor Stephenie Meyer Genre Fantasy
Verlag Carlsen
ISBN 978-3-551-58190-7
Übersetzung Katharina Diestelmeier Erscheinungsdatum (D) 2008   
Erschienen 2008  Seiten 864

Inhalt

In einer fernen Zukunft: Die Erde wurde von „Seelen“ besetzt, und wie Parasiten nisten sich die fast körperlosen Wesen in die Körper der Menschen ein. Die Zahl der überlebenden Rebellen sinkt dramatisch. Eine der letzten ist Melanie, doch auch sie wird gefangen genommen und erhält eine Seele. Entgegen der sonstigen Art bleibt das Menschenmädchen aber bei Bewusstsein und kämpft gegen den Fremdkörper an.
Der dauernde Kampf gegen Melanie lässt die Seele an ihrer Kraft zweifeln. Die ständigen Bilder, die nicht zu ihr gehören und doch die unterschiedlichsten Gefühle in ihr hervorrufen, verwirren und ängstigen sie. Irgendwann glaubt sie den Kampf gegen Melanie verloren zu haben und fügt sich ihrem Schicksal. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Melanies Geliebtem Jerad und ihrem kleinen Bruder Jamie. Eine alte Zeichnung tief vergraben in Melanies Erinnerung ist der einzige Anhaltpunkt für einen möglichen Unterschlupf in der Wüste Arizonas...

Buchkritik von Jane Fritsche

Jane vergibt 3 von 5 Bs Parasitäre Wesen, die die Menschheit versklaven. Das hört sich wie der Plot eines B-Movies anhört, und ist der Auftakt zu Stephenie Meyers („Twilight“ -Saga) neuestem Roman „Seelen“.
Stolze 864 Seiten umfasst ihre Utopie einer Zukunft, wie sie kaum finsterer und grausamer sein kann. Die Auslöschung der Menschheit ist das Ziel der „Seelen“. Deren ureigenster Antrieb besteht im harmonischen Miteinander und dem Bedürfnis, die Dinge schöner zu machen. Wie passt das zur radikalen Vernichtung einer ganzen Spezies? Meyers beschäftigt sich mit den Abgründen des Menschen, unterstellt ihm mit seiner Grausamkeit, selbst gegen die Unschuldigsten unter uns, dass er nicht mehr ist als ein triebgesteuertes Wesen, von Gewalt und Egoismus beherrscht. Klingt schon sehr abgehoben und etwas zu einfach gestrickt. Die Frage, die sich bei dieser Konstellation unweigerlich aufdrängt: Was haben die Menschen für ein Bewusstsein, wenn es keine Seele beherbergt? Ohne zuviel zu verraten: Stephenie Meyers klärt es nicht wirklich auf. Vielmehr treibt sie und die Geschichte der Appell an die positiven Eigenschaften der Menschen an. So bestimmen die Figuren Fragen nach Toleranz und Mitgefühl. Wie schon in ihrer Vampirgeschichte ist es wieder die Liebe, die zwischen den verfeindeten Lagern zur Annäherung führt. Auch wenn „Seelen“ anders beginnt, so weit ist ihr neues Werk nun auch nicht vom großen Vierteiler entfernt. Vampir Edward stellte sich ebenfalls immer wieder Fragen über die Seele und wie sie die Lebendigen zu etwas Einzigartigem werden ließ.

Nach dem fulminanten Auftakt wird es ruhig in der Geschichte, die vielen Zwiegespräche zwischen der „Seele“ und ihrem Wirt nehmen viel Raum und viele Seiten ein. Als Leser kommt man irgendwo an den Punkt, dass man sich fragt, was Meyers damit bezweckt und wohin das führen soll. Sie beschreibt endlose Tunnel unter der Erde, ausführlich breitet sie das Leben unter der Erde und das andauernde Anfeinden der Menschen gegen den Eindringling aus. Immer wieder muss sich die Seele mit Gewalt auseinandersetzen. Als würden Verstehen und Verständnis für den Anderen nur aus dem Schmerz geboren. Die überbordende Erzählweise, das Schwelgen in anderen Welten und das scheinbar ohne Verlust empfundene Schwinden der Zeit, ist ein zunehmendes Ärgernis beim Lesen. Oftmals schleicht sich dadurch eine Trivialität ein, die den anfangs begeisterten Leser traurig stimmt. Denn Meyers Geschichte verkommt immer mehr zu einem klobigen Stück Unterhaltungskost, welches zwar nicht langweilt, aber auch nichts Aufsehenerregendes zu erzählen hat.

Die Sicht der drei Hauptcharaktere Melanie, Jerad und Ian ist stark von einer naiv anmutenden Romantik durchsetzt. Wer einschlägige Romane für Frauen (Nora Roberts u. a.) kennt, fühlt sich unweigerlich an deren Muster erinnert. Das ewige Hin und Her der Liebenden, Missverständnisse die das Paar nicht problemlos zusammen kommen lassen und erst die Lebensgefahr schwemmt alle Bedenken fort. Nur ist Stephenie Meyers Roman ohne Sex aber mit reichlich harmloser Teenagerschwärmerei angefüllt. Aufgrund der beachtlichen Seitenanzahl ging Meyers damit ein hohes Risiko ein.
Es wäre zu Wünschen gewesen, dass sie ihren Plot gestrafft und um viele Seiten gekürzt hätte. Denn die Grundidee des altruistischen und umsorgenden Wesens ist bemerkenswert und hat sie bereits mit ihrer Bella zur Formvollendung gebracht. Doch der Mangel, beim Kern der Geschichte bleiben zu können und das ausschweifende Erzählen trüben den Lesespaß beträchtlich.

Besucherbewertung

4.2 / 5  (19 votes)

Kommentare


Kommentare

Sahra schreibt am 29.04.12, 19:44
Also ich finde Seelen-the host eine wirklich sehr schöne und mitreißende Geschichte.Ich fand sie, anders als oben beschrieben, an keinem Punkt langweilig oder von 'naiv aufmunternder Romantik' durchsetzt.In den kritisierten Gesprächen zwischen 'Seele' und Wirt erfährt man viel über Melanies früheres Leben und die Absichten der Seelen, was für das Verständniss der Handlung wichtig ist. Für mich ist Seelen ein tolles, absolut lesenswertes Buch. 5/5 Sternen
Isabella R schreibt am 05.03.12, 02:41
so abwegig ist das leider nicht - interessant dass sie das buch ausgerechnet jetzt veröffentlicht.
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