Das Geheimnis des Wilhelm Storitz

Autor: Jules Verne
Genre: Science Fiction
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-26692-5
Erscheinungsdatum (D) 1905 Seiten 270
Übersetzung Gaby Wurster

Das Geheimnis des Wilhelm Storitz Le secret de Wilhelm Storitz

Inhalt

Henry Vidal ist überglücklich: Er befindet sich auf dem Weg ins ungarische Ragz, wo er seinem Bruder als Trauzeuge zur Seite stehen wird. Marc Vidal hat um die Hand der schönen Myra Roderich angehalten, bald schon soll die Trauung stattfinden. Doch welche Ungeheuerlichkeit muss Henry Vidal erfahren, als er endlich in Ragz angekommen ist: Auch der Deutsche Wilhelm Storitz wollte Myra zur Frau nehmen, wurde jedoch von ihrem Vater abgewiesen. Den verhassten Marc Vidal an der Seite seiner Angebeteten wissend, sinnt Storitz auf Rache und hat dabei ein Mittel auf seiner Seite, das kein gesunder Menschenverstand erfassen kann: Er hat eine Formel gefunden, mit der er sich unsichtbar machen kann. Von niemandem wahrnehmbar macht er die Stadt unsicher und boykottiert die Hochzeitsvorbereitungen, wo er nur kann. Aber nicht nur das – er versetzt auch ganz Ragz in Angst und Schrecken...

Buchkritik von Karolin  Kullmann

Lange Zeit lag „Das Geheimnis des Wilhelm Storitz“ auf Grund seines Inhalts nur in einer stark geänderten Fassung vor, für die Leser seiner Zeit zu brisant und verstörend. Erst jetzt ist der Roman zum ersten Mal genau so erhältlich, wie Jules Verne selbst ihn geschrieben hat.
Der französische Schriftsteller ist über den Tod hinaus bekannt für seine phantastischen Romane, die wissenschaftliche Fakten und Unvorstellbares verbinden und zu einer abenteuerlichen Mischung verschmelzen lassen. Auch dieser Roman steht den anderen Werken Vernes unter diesem Gesichtspunkt in nichts nach: Besagter Wilhelm Storitz ist in der Lage, sich mittels einer chemischen Substanz unsichtbar zu machen und so durch die Stadt Ragz zu geistern, um die Hochzeit des verliebten Paares zu verhindern. Doch bevor es zu diesen spannenden Begebenheiten kommt, muss man sich durch unendlich lang erscheinende Schilderungen kämpfen: Ausgedehnte Reisevorbereitungen und endlose Landschaftsbeschreibungen lassen die Ungeduld des Leser bis ins Unermessliche steigen. Dieser erste Teil besteht aus vielen Nebeninformationen, die zwar interessante Fakten enthalten, aber dem Buch auch eine gewisse Langatmigkeit verleihen. Erst nach 100 Seiten kommt die Geschichte richtig in Fahrt. Von nun an überschlagen sich die Ereignisse, der unsichtbare Storitz geht um und lässt eine ratlose Bevölkerung und ein erschrockenes Hochzeitspaar zurück. Die Atmosphäre ist stets düster und beklemmend, kann man sich doch nicht mit den Liebenden freuen und erwartet jeden Augenblick eine neue Intrige. So lernen wir hier eine neue Seite des Autors kennen, der in anderen Romanen und einer früheren Schaffenszeit so viel Optimismus für neue Entdeckungen zeigte. So furchteinflößend und pessimistisch „Das Geheimnis des Wilhelm Storitz“ auch sein mag, zeigt es doch genau das, was wir mit Jules Verne verbinden und uns von seinen Werken erhoffen: Großes fortschrittliches Denken gepaart mit vielen Elementen des Science-Fiction.

Im Jahre 1905 übergab Jules Verne seinem Verleger das fertige Manuskript zu „Das Geheimnis des Wilhelm Storitz“. Dieser lehnte den Text ab – zu brisant war ihm der Inhalt. Nach Vernes Tod bat der Verleger dessen Sohn Michel, den Roman umzuarbeiten und ins 18 Jahrhundert zu verlegen. Die Urfassung blieb so lange Zeit unveröffentlicht. Erst ab 1985 wurden die Urtexte in geringer Auflage verlegt. Mit dem Roman, wie er im Mai 2009 vom Piper-Verlag herausgegeben wurde, liegt jetzt die erste deutsche Originalausgabe von Vernes „Das Geheimnis des Wilhelm Storitz“ vor.

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