Der gehörnte Marquis

Le Montespan

Der gehörnte Marquis

Autor Jean Teulé Genre Roman
Verlag Piper
ISBN 978-3-492-27170-7
Übersetzung Gaby Wurster Erscheinungsdatum (D) März 2009   
Erschienen 2008  Seiten 352

Inhalt

Louis Henri de Montespan ist mit der schönsten Frau von Frankreich verheiratet. Leider ist auch Ludwig XIV. die außerordentliche Schönheit und der freche Charme von Françoise nicht entgangen. Daher nutzt der Sonnenkönig die erste Gelegenheit und macht sie zu seiner Lieblingsmätresse. Doch diese Rechnung hat er ohne den wütenden Ehemann gemacht. Rasend vor Eifersucht unternimmt der Marquis de Montespan alles, um seine Frau zurück zu erobern, aber längst schon hat er sich zum Gespött der Leute gemacht. Niemand kann begreifen, warum er die Zuneigung des Königs ausschlägt und die großzügigen Schenkungen und Angebote von Ludwig XIV. nicht annimmt, wie es sonst üblich ist, wenn der Herrscher die Frau eines anderen zu seiner eigenen macht. Tatsächlich hatte keiner damit gerechnet, dass es unter den Adligen einen Mann gibt, der seine Ehefrau wirklich liebt und bereit ist, um sie zu kämpfen...

Buchkritik von Karolin Kullmann

Karolin vergibt 4 von 5 Bs Auf den ersten Blick scheint die Geschichte um den Marquis de Montespan keine besondere zu sein. Ein Mann, der sich für seine Gattin einsetzt und dafür auf alles verzichtet, ist zwar romantisch und selbstlos, aber in der Literatur nicht ungewöhnlich. Erst der zweite Blick verrät, dass „Der gehörnte Marquis“ mehr Potential hat.
Auf einer wahren Begebenheit basierend erzählt Jean Teulé die Liebesgeschichte von Louis Henry und Françoise, die schon nach kurzer Zeit keine mehr war. Dabei spart er weder an anrüchigen, verruchten Details noch an harter Gesellschaftskritik. Ohne Tabus thematisiert der Autor das ausschweifende Liebesleben des Ehepaars genauso, wie die sittenlose Lebensweise des französischen Adels, der sich durch überschwänglichen Luxus selbst zu Grunde richtete. Wirken die unverblümten Worte zunächst abschreckend und schockierend, kommt man bald nicht mehr umhin, seine Aufmerksamkeit auf den Protagonisten zu lenken und den Mut des störrischen Marquis de Montespan zu bewundern. Als er erfährt, dass seine Frau zur Lieblingsmätresse des Sonnenkönigs aufgestiegen ist, verhält er sich revolutionär. War es früher üblich, den Gatten der erwählten Mätresse mit Gunstbeweisen und teuren Geschenken zu beruhigen, lässt sich Montespan nicht auf diese Art und Weise bestechen. Zu wichtig ist ihm seine Frau und so findet der geneigte Leser sicher Gefallen daran, wie er selbst Ludwig XIV. die Stirn bietet. Mit wahnwitzigen Mitteln versucht er, Françoise dem goldenen Käfig Versailles zu entreißen. Was hier tragisch und komisch zugleich wirkt, ist ein Stück französischer Geschichte, das originell aufgearbeitet den Weg in die Gegenwart gefunden hat.

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