Bis ans Ende der Meere

Bis ans Ende der Meere

Autor Lukas Hartmann Genre Historischer Roman
Verlag Diogenes
ISBN 978-3-257-86183-9
Erscheinungsdatum (D) März 2009   Seiten 487

Inhalt

Der junge britische Zeichner John Webber schifft sich im Juni 1776 in Plymouth zur dritten Weltumsegelung auf dem Dreimaster „Resolution“ ein. Kapitän der „Resolution“ ist der legendäre James Cook, dem bereits zwei Weltumsegelungen gelungen sind. Webber ist dafür verantwortlich, Zeichnungen von den Orten anzufertigen, die die „Resolution“ anläuft und auch die Ereignisse zu dokumentieren. Captain Cook führt ein eisernes Regiment auf seinem Schiff, er schreckt nicht vor drakonischen Strafmaßnahmen zurück, wenn jemand des Diebstahls überführt wird. Andererseits wird Webber bald klar, dass es Punkte gibt, wo der Kapitän seine Mannschaft keineswegs im Griff hat. Immer wieder werden mehr oder weniger unter den Augen Cooks Frauen auf das Schiff geschmuggelt, die die Besatzung erfreuen sollen. Und trotz der Gefahr, die Syphilis auf den entlegenen Südseeinseln einzuschleppen, gelingt es Cook nicht, infizierte Matrosen von den Landausflügen abzuhalten. Der unerfahrene Webber lernt die Entbehrungen einer langen Seereise kennen, muss erleben, wie ein guter Freund an Tuberkulose stirbt und trifft auf seine große Liebe, die für ihn unerreichbar bleibt. Schließlich wird Webber Zeuge, wie der große Captain Cook, der aufgebrochen war, die Nordwestpassage durchs arktische Eis zu finden, ums Leben kommt. Doch keiner kann so recht sagen, was geschehen ist.

Nach vier Jahren kehrt Webber schließlich, gezeichnet von den Strapazen der Reise, wieder nach England zurück. Seine Aufgabe ist es nun, der Witwe von Cook im Auftrag der Admiralität ein von ihm angefertigtes Porträt ihres Mannes zu überbringen. Doch Mrs. Cook lehnt das Geschenk mit der Begründung ab, sie erkenne ihren Mann darauf nicht. Nicht nur bei diesem Porträt war Webber nämlich gezwungen worden, seine Bilder zu beschönigen und unangenehme Details verschwinden zu lassen. Auch über die Umstände von Cooks Tod wird von der Admiralität ein Redeverbot verhängt. Das heroische Andenken des großen Kapitäns soll gewahrt bleiben – auch wenn nicht nur Webber weiß, was während dieser vierjährigen Seereise tatsächlich geschehen ist.

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Das Wirken und der bis heute ungeklärte Tod des legendären Weltumseglers Captain James Cook bieten wahrhaftig genügend Stoff für einen Roman. Doch in „Bis ans Ende der Meere“ erfahren der Mythos James Cook und vor allem seine dritte und letzte Weltumsegelung eine völlig neue Interpretation. War Cook bisher gemeinhin als Held und Entdecker von neuen Kontinenten bekannt, wird hier auch die andere, nicht ganz so strahlende Seite des Kapitäns beleuchtet. Wo er in den Augen der Öffentlichkeit doch meist ein heroisch angehauchter Mythos ist, konzentriert Hartmann sich auf den Menschen Cook. Auf einen eigenbrötlerischen Mann, der wenig an seinen Mitmenschen interessiert und dem nicht die Fähigkeit zu Mitgefühl gegeben war. Immer wieder macht Autor Lukas Hartmann in diesem Zusammenhang auf die Konsequenzen, die die Entdeckung neuer Inseln und Landstriche für deren Bewohner hatte, aufmerksam. Die oft durch Gewalt erzwungene Bekehrung der Eingeborenen, die Kolonialisierung und die Einschleppung der Syphilis werden hier thematisiert. Vor allem die vom Autor gewählte Erzählperspektive, die die Geschehnisse aus der Sicht des Malers John Webber schildert, unterstreicht das noch zusätzlich. Denn auch er gehört zu denen, die unter Cooks Launenhaftigkeit zu leiden haben, dem nicht erlaubt ist, zu malen, was er wirklich sieht. So entstehen geschönte und erträumte Bilder, wie sie die britische Bevölkerung sehen möchte. Welches Leid die Kolonialisierung mit sich bringt, soll die Öffentlichkeit nicht erfahren.

Lukas Hartmann hat für sein Buch sorgfältig und weitgreifend recherchiert, das spürt man in jeder Zeile. Vieles ist auch in unserer „aufgeklärten“ Zeit neu und befremdend. So ist „Bis ans Ende der Meere“ nicht nur ein spannender historischer Roman, sondern auch ein Buch, das den Horizont erweitert, das hilft, die Sichtweise zu verändern und Überliefertes zu hinterfragen. Vor allem aber ist „Bis ans Ende der Meere“ ein farbenfroher, lebendiger, sinnlicher und faszinierender Roman, der bewegt und nachhaltig beeindruckt.

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