Die geheime Geschichte Moskaus

The Secret History of Moscow

Die geheime Geschichte Moskaus

Autor Ekaterina Sedia Genre Fantasy
Verlag Klett-Cotta
ISBN 978-3-608-93873-9
Übersetzung Olaf Schenk Erscheinungsdatum (D) März 2009   
Erschienen 2009  Seiten 320

Inhalt

Als ihre jüngere Schwester Mascha kurz nach der Entbindung im elterlichen Badezimmer spurlos verschwindet und nur noch ein schwarzer Vogel auf dem Fensterbrett sitzt, glaubt Galina, der Wahnsinn sei mit Macht in ihr Leben zurückgekehrt. Doch auch anderen Orts verschwinden am helllichten Tag Menschen von Moskaus Straßen. Und so macht sich Galina zusammen mit dem Polizisten Jakov auf, Mascha zu finden. Hilfe erhalten sie vom trinkfesten Straßenmaler Fjodor, der ihnen die Zugänge zu einer geheimnisvollen Welt unterhalb von Moskau zeigt. Hier erwarten die drei mythische Gestalten der Märchenwelt, tot geglaubte Menschen der Vergangenheit und eine Welt jenseits des Sonnenlichtes. Mit Hilfe neuer Verbündeter kommen sie einer fatalen Verbindung zu einer Mafiabande im Hier und Jetzt auf die Spur.

Buchkritik von Melanie Frommholz

Melanie vergibt 3 von 5 Bs In ihrem Erstling entführt uns die in Amerika lebende Schriftstellerin Ekaterina Sedia in die russische Mythen- und Sagenwelt. Sie verbindet dies geschickt mit einer Reise in eine Welt unter Moskaus Straßen. Eine Idee, die bereits Neil Gaimann für London gebrauchte und die auch der deutsche Autor Christoph Marzi nutzte, um daraus packende Fantasy-Unterhaltung zu machen.

Sedias Geschichte zeichnet kein schönes, verklärtes Bild von Russland und dem Leben in seiner Hauptstadt Moskau. Vor der melancholischen Grundstimmung der Handlung ergibt sich ein Bild von Armut und düsterer Hoffnungslosigkeit. Und auch die Hauptfiguren, die von der Autorin gut eingeführt werden, sind keine strahlenden Helden sondern gebrochene Persönlichkeiten. Man möchte dennoch, oder auch gerade deswegen mehr über die scheinbar geisteskranke Galina, den geschiedenen Polizisten Jakov und den trinkenden Straßenkünstler Fjodor erfahren. Geheimnisvoll beginnt „Die geheime Geschichte Moskaus“ als eine Mischung aus Krimi und Fantasy. Schnell ist man im Geschehen und verfolgt mit Spannung die Suche nach der Antwort auf das Verschwinden der Menschen und dem Auftauchen der Vögel. Ekaterina Sedia verwendet viel Zeit und Worte darauf, die in der Folge auftauchenden Figuren und Persönlichkeiten zu erläutern und deren persönliche Geschichten kurz zu umreißen. In der Absicht, die Historie Moskaus mit der russischen Mythenwelt zu verbinden, lässt sie Figur um Figur auftreten und eröffnet uns damit eine neue magische Welt jenseits von germanischen Helden, englischen Zauberern und keltischen Druiden. Das ist zu Beginn abwechslungsreich und interessant, überfrachtet die Geschichte jedoch zusehends und drängt die eigentliche Kriminalgeschichte in den Hintergrund. Hastig geht es weiter. Erneut scheint der Autorin die Unterbringung noch bedeutender Märchenmotive wichtiger gewesen zu sein, als die eigentliche Geschichte, die seltsam geradlinig weiter geht. Hoppla di Hopp kommt dann das Ende mit der Auflösung der Rätsel und lässt einen etwas unbefriedigt zurück, weil das „warum“ nicht wirklich beantwortet wird. Von der morbiden Anziehungskraft der ersten Kapitel ist zum Ende nicht mehr viel übrig und man wünscht sich, die Autorin hätte sich etwas mehr Seiten genommen, um ihren vielen guten Ideen unterzubringen.

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