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Kommende Buchkritiken
Mary Wickford
La Malédiction d'Old Haven
|
Autor
Fabrice Colin
Genre Fantasy
Verlag Heyne ISBN 978-3-453-53288-5 Übersetzung Ulrike Werner-Richter Erscheinungsdatum (D) Juli 2009 Erschienen 2007 Seiten 720 |
Inhalt
Mary wächst als Waise im Kloster der Nonnen zur heiligen Barmherzigkeit auf und führt bis zu ihrem 17. Lebensjahr dort, im Herzen Gothams der Hauptstadt des neuen Amerika, ein behütetes Leben. Doch mit Vollendung des 17. Lebensjahres ist es damit vorbei. Sie muss nun hinaus in die Welt und ihren eigenen Platz finden. In dieser Welt führt der Imperator ein strenges katholisches Regiment und sein verlängerter Arm, die Inquisition, merzt unerbittlich die letzten Reste des magischen Erbes Amerikas aus. Auf ihrer Fahrt in ein neues Leben kommt Mary in das beschauliche Küstendörfchen Old Heaven und hier offenbart sich ihr ihre eigentliche Bestimmung. Als Erbin eines mächtigen Hexengeschlechtes ist es ihr vorherbestimmt den Wandel der Welt einzuleiten. Tief in Mary schlummern ungeahnte Kräfte, die nicht nur eine geheimnisvolle Bruderschaft für sich nutzen will, sondern auch der Imperator selbst. Noch ehe Mary richtig ergründen kann, wer sie ist und wo ihr Platz ist, wird die Jagd auf sie eröffnet.
Buchkritik von Melanie Frommholz
„Mary Wickford“ – sowohl der Buchtitel als auch die Kurzinformation im Klappentext lassen auf eine spannende und facettenreiche Hexengeschichte mit einer starken Protagonistin hoffen. Leider hat dieser Import aus unserem Nachbarland Frankreich jedoch einige massive Schwächen, die den Lesegenuss merklich trüben. Die Geschichte entpuppt sich als Mix aus einem Stephen King Horror-Trip und einer Anne Rice-Hexenstory, jedoch melodramatisch-romantisch verkitscht. Dies wäre noch nicht einmal so negativ, jedoch versagt Fabrice Colin (oder die Übersetzung) wenn es darum geht, die Figuren glaubhaft handeln und sprechen zu lassen. Ein ums andere Mal hält man verwundert inne ob der Reaktion oder auch Nichtreaktion besonders der Hauptfigur Mary. Immer wieder stößt man sich an ihrem widersprüchlichen Verhalten. Gleich zu Beginn offenbart ihr zum Beispiel die Oberin des Klosters, dass ihre Herkunft nicht ihre Herkunft ist und Mary reagiert darauf überhaupt nicht, sondern es folgt ein Absatz über das nachfolgende Abendessen. Entweder wurde hier ein ganzer Teilabschnitt vergessen, oder aber Colin denkt ernsthaft, dass ein 17 jähriges Mädchen so etwas einfach ungerührt hinnimmt. Im Verlauf der Handlung bleibt die Figur Mary Wickford für den Leser weiterhin seltsam konturlos und flach. Die von Fabrice Colin gewählte Ich-Perspektive erweist sich als wenig geeignetes Instrument, die Geschichte packend und fesselnd zu erzählen. Marys angeblich so große Hexenfähigkeiten kommen zudem erst im letzten Buchdrittel zum Tragen. Seine guten Storyideen treten gegenüber dem krampfhaften Versuch, eine geheimnisvolle Atmosphäre zu schaffen mehr und mehr in den Hintergrund. Handlungsentscheidende Momente, von denen man sich Tiefe und Facettenreichtum erwartet, werden im D-Zug-Tempo abgehakt und machen verklärtem „Blabla“ platz.
Letztlich bleib als Resümee zu „Mary Wickford“ nur zu sagen, dass hier eine Fülle guter Ideen in den Ansätzen stecken bleibt, da die sprachliche Umsetzung und die in sich stimmige Ausgestaltung hinter den Erwartungen zurückbleiben. Schade!
