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Kommende Buchkritiken
Der Tag, an dem meine Tochter verrückt wurde
Hurry Down Sunshine. A Memoir
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Autor
Michael Greenberg
Genre Erlebnisbericht
Verlag Hoffmann und Campe ISBN 978-3-455-50037-0 Übersetzung Hans-Christian Oeser Erscheinungsdatum (D) Februar 2009 Erschienen 2008 Seiten 285 |
Inhalt
Der Autor und heutige Kolumnist für Times Literary Supplement Michael Greenberg lebte mit seiner zweiten Frau Pat und seiner 15jährigen Tochter Sally in einer etwas chaotischen, aber dennoch ruhigen Patchworkfamilie, als Sally am 05.07.1996 verrückt wird. Greenberg erkennt seine Tochter, die immer tiefer in die Manie fällt, nicht wieder. Es soll ein langer Weg werden, bis sich Vater und Tochter wieder „normal“ miteinander verständigen können. Eine schmerzvolle Reise zu den Abgründen der Seele, auf der der Vater ständig in der Angst lebt, seiner Tochter nicht folgen zu können und sie damit endgültig zu verlieren. Eine Reise, die ihn auch zu den noch offenen Enden seiner Familiengeschichte führt, zu seinem labilen ältern Bruder, zu seiner New-Age-Ex-Frau, und die zu einer Zerreißprobe für seine zweite Ehe wird.
Buchkritik von Melanie Frommholz
Psychische Erkrankungen – Im Volksmund gerne auch als „Wahnsinn“, „plemplem“ oder „einen an der Klatsche haben“ umschrieben - sind für die Betroffenen und ihre Familien nicht selten ein Stigma, unter dem sie ein Leben lang zusätzlich zur eigentlichen Krankheit leiden. Wenn der Verstand im Ausnahmezustand ist, wissen auch die Ärzte sich häufig nur noch mit Medikamenten zu helfen. Wirklich durchdrungen hat diese Form der Erkrankung wohl noch niemand. Eine endgültige Heilung liegt oft in weiter Ferne. Umso mutiger ist es, sich mit einem solchen Erfahrungsbericht Fremden zu öffnen. Michael Greenbergs Einblick in seine wohl schwerste Familienkrise mutet zutiefst ehrlich an. Der Autor nimmt den Leser durch seine klare und ungeschönte Art und Weise, die Ereignisse zu schildern bald ganz gefangen. Man fühlt seine Verzweiflung und seine Hilflosigkeit zwischen den Zeilen hindurch, sitzt mit ihm verloren in der Psychiatrie und freut sich über die kleinen Fortschritte von Sally. Dabei ist sein „Bericht“ nie gefühlsduselig oder Mitleid heischend. Im Gegenteil: Sein an manchen Stellen durchschimmernder trockener Humor erdet seinen, scheinbar aus tiefstem Herzen kommenden, Wunsch sich mit den unwirklichen Geschehnissen noch einmal zu befassen. Dabei spendet Michael Greenberg trotz aller bestürzenden Aspekte mit diesem Lebensabschnittsbericht auch Hoffnung. So wird „Der Tag, an dem meine Tochter verrückt wurde“ zu einer aufrichtigen Aufarbeitung, die auch für andere wertvoll ist.
