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Kommende Buchkritiken
Das fünfte Imperium: Ein Vampirroman
Empire V
|
Autor
Viktor Pelewin
Genre Roman
Verlag Luchterhand Literaturverlag ISBN 978-3-630-62138-8 Übersetzung Andreas Tretner Erscheinungsdatum (D) Januar 2009 Erschienen 2006 Seiten 400 |
Inhalt
Roma gehört zur jungen Generation russischer Erwachsener, die sich ziellos irgendwo zwischen dem Internet, westlichen Filmen und einer allgemeinen Perspektivlosigkeit gegenüber ihrer Zukunft bewegen. Eines Tages liest er eine Zeitungsanzeige, mit dem Angebot, einer Elite beizutreten. Dass er dazu auserkoren worden ist, ein Vampir zu werden, übersteigt seine kühnsten Vorstellungen. Durch die Lehren von Glamour und Diskurs lernt er die geheimen Machenschaften der eigentlichen Herrscher der Welt kennen und welche Rolle die Menschen im Leben der Vampire spielen. Roma, oder Rama II wie er nun heißt, muss sich auf einige bittere Wahrheiten gefasst machen.
Buchkritik von Jane Fritsche
Victor Pelewins Vampirroman „Das fünfte Imperium“ befasst sich auf eine völlig andere Art und Weise mit dem Kult des Blutsaugers, als seine traditionellen Kollegen. Sein Ansatz, den Vampir als heimlichen Lenker der Welt zu manifestieren, der den Menschen zum persönlichen Nutzen „gezüchtet“ hat, ist nicht nur gewöhnungsbedürftig, sondern fordert dem Leser auch eine Menge abstraktes Denken ab. Denn das philosophische Gedankenkonstrukt, auf dem die Entwicklung der Elite beruht, ist kompliziert und nimmt den Hauptteil des Buches ein.
Die Rahmenhandlung, was dem jungen Vampir Rama und auch die anderen Figuren geschieht, dient eher als Vorwand für Pelewins theoretisches Modell, als wirklich eine spannende Geschichte zu erzählen. Die düsteren Einflüsse verschiedener Geisteswissenschaftler, wie z. B. Adorno vermischen sich mit filmischen Ergüssen wie „Blade“ und „Alien vs. Predator“ zu einer extrem materialistisch beeinflussten Umdeutung des menschlichen Daseins auf einen bestimmten Zweck. Die Reduzierung des Menschen, der nur geboren wird, um dem Kreislauf des Geldes zu dienen, ist eine sehr zynische Abrechnung mit überlieferten Mythen, wie der alttestamentarischen Schöpfung vom Baum der Erkenntnis und dem Glauben an Gott. Pelewin liefert eine gut durchdachte, wenn auch sehr negative, Analyse der vom Konsumdenken bestimmten menschlichen Natur.
Die russische Weltansicht, wie sie Victor Pelewin in seinem Buch dokumentiert, ist geprägt von Resten altstalinistischer Tradition, westlicher Kultur und einer gewissen kompromisslosen Überheblichkeit gegenüber dem modernen Leben innerhalb der Industriegesellschaft. Ohne die Qualität des Romanes mindern zu wollen, kann die Lektüre von Pelewins Roman nur bedingt empfohlen werden. Denn die theorielastige Umdeutung des Mythos Vampir ist vielleicht innovativ, aber nur wenig unterhaltsam.
