Ein anderes Leben

Ett annat liv

Ein anderes Leben

Autor Per Olov Enquist Genre Roman
Verlag Hanser
ISBN 978-3-446-23270-9
Übersetzung Wolfgang Butt Erscheinungsdatum (D) März 2009   
Erschienen 2008  Seiten 544

Inhalt

Per Olov Enquist erzählt die Geschichte eines Mannes, der als Sohn einer strenggläubigen Volksschullehrerin im nördlichen Schweden aufwuchs – seine eigene Lebensgeschichte, in der dritten Person erzählt. Er wuchs ohne den früh verstorbenen Vater auf, mit dem er aber zeitlebens stumme Zwiesprache hielt. Von seiner Mutter dazu bestimmt, Pastor oder zumindest Volksschullehrer zu werden, reiste er als erfolgreicher Hochspringer ins Ausland, studierte und erlebte in West-Berlin die Zeit der RAF mit. In München berichtete er als Journalist über die Olympischen Spiele und die blutigen Attentate und avancierte zu einem der angesehensten europäischen Schriftsteller. Neben seinen Romanen schrieb er auch Theaterstücke und debütierte mit seinem ersten Stück am Broadway.

Doch der Ruhm war nur die eine Seite der Medaille – in den achtziger Jahren geriet er immer tiefer in die Alkoholabhängigkeit. Dieser Absturz führte ihn an den Rand des Todes und nur das Schreiben half ihm, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 4 von 5 Bs Per Olov Enquist, der große schwedische Autor, aus dessen Feder Meisterwerke wie „Auszug der Musikanten“ oder „Kapitän Nemos Bibliothek“ stammen, erzählt in einem großen Roman die Geschichte seines Lebens. Eines Lebens voll von düsteren Kindheitserinnerungen vom verstorbenen Bruder, dessen Stelle er einnahm, vom viel zu früh verstorbenen Vater und der strenggläubigen Mutter, die ihren Sohn am liebsten als Pastor gesehen hätte. Enquist erzählt von seiner mühsamen Emanzipation von der sozialen und geistigen Welt seiner Herkunft, vom Scheitern seiner Karriere als Sportler, vom Aufstieg als Schriftsteller und politische Figur und vom Weltruhm, der ihn schließlich in den Alkoholismus und in die abgrundtiefe Depression führte.

Und immer wieder taucht die Frage auf: „Wenn alles so gut ging, wie konnte es dann so schlimm werden?“ Manchmal führt es den Leser fast an die Schmerzgrenze, was er hier lesen muss, die Hölle, durch die der Erzähler geht, steigert sich zusehends zur Tragödie. Hat anfangs die Tatsache, dass einer der bedeutendsten europäischen Schriftsteller seine Lebensgeschichte erzählt, noch die Neugierde geweckt, führt einen die Geschichte mehr und mehr an den Abgrund. In drei Teile gegliedert ist dieser Roman, es geht um den Aufstieg eines begabten Jungen aus der schwedischen Provinz, um Weltruhm und politisches Ansehen und schließlich um Absturz und Neubeginn.

Doch von Anfang an gehen Aufstieg und Absturz ineinander über, der Leser ahnt, dass das, was so gut anfing schlimm enden wird. Mit eigentümlicher Schärfe beobachtet der Autor das Leben von P. O. Enquist – gerade so, als hätte es mit ihm selber nichts zu tun. So ist „Ein anderes Leben“ alles – radikale Beichte, die behutsam mit den erwähnten Personen umgeht, Bericht, Roman. Dieses Buch imponiert zutiefst, ist aber keinesfalls leichte Kost für zwischendurch. Per Olof Enquist beweist mit „Ein anderes Leben“ erneut, dass er ein meisterlicher Erzähler ist, dem es gelingt, seine Leser in seinen Bann zu ziehen.

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