Heartland

Commonwealth

Heartland

Autor Joey Goebel Genre Roman
Verlag Diogenes
ISBN 978-3-257-06694-4
Übersetzung Hans M. Herzog Erscheinungsdatum (D) März 2009   
Erschienen 2008  Seiten 714

Inhalt

Blue Gene Mapother ist das, was man gemeinhin als Freak bezeichnen würde. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich mehr schlecht als recht auf einem Flohmarkt, seine große Leidenschaft gilt dem Wrestling und Monstertrucks und sein Lebensinhalt sind ein gutes Bier und die Glotze. Und das, wo Blue Gene doch einer großen amerikanischen Tabakdynastie angehört und eigentlich auch Eugene heißt! Doch von seiner Familie hat Blue Gene sich schon lange losgesagt. Bis ihn eines Tages seine Mutter an seinem Flohmarktstand aufsucht und ihn einlädt, mit dem Rest der Familie auf dem großen Anwesen zu essen.

Als schwarzes Schaf der Familie ahnt Blue Gene natürlich, dass diese Einladung nicht ganz uneigennützige Ziele verfolgt. Und tatsächlich eröffnet Henry Mapother, das gestrenge Familienoberhaupt seinem nichtsnutzigen Sohn, dass er dazu auserkoren wurde, seinem älteren Bruder John bei dessen Wahlkampf behilflich zu sein. Denn schließlich lebt Blue Gene ja nun auf der anderen Seite des American Dream und kann somit John zu wichtigen Wählerstimmen verhelfen. Widerstrebend stimmt Blue Gene zu, wobei ihm nicht verborgen bleibt, dass er in den Augen seiner Familie zum Abfall der Gesellschaft zählt. Doch wie sich schon bald herausstellen wird, gibt es da einige dunkle Flecken im Leben der Familie Mapother, die auch ein diszipliniert geführter Wahlkampf nicht verbergen kann…

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 4 von 5 Bs Der American Dream und seine dunklen, tieftraurigen Seiten – das ist das große Thema von Joey Goebels neuem Roman „Heartland“. Am Beispiel des (Anti-) Helden Blue Gene Mapother wird dem Leser vor Augen geführt, wie es sich anfühlt, am Rande der Gesellschaft im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ zu leben. Gerade in der Beschreibung dieser gescheiterten Existenz läuft Goebel wieder zu Hochform auf. Witzig, überschäumend und voll von bissigem Humor beschreibt der Autor zwei Seiten einer Familie, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Und gerade in diesen Gegensätzlichkeiten spiegelt sich die Verlogenheit einer Gesellschaft wieder, die von sich behauptet, zum großartigsten Land der Welt zu gehören.

„America, the beautiful. Land of the free.“ In „Heartland“ bekommen diese Attitüden eine völlig neue Interpretation und hinterlassen einen schalen Nachgeschmack. Goebel zeichnet seine Figuren so scharf, so lebendig und überzeugend, dass man meint, in einer realen Welt gelandet zu sein. Genauso könnte man sich das Leben in den USA vorstellen – und man bekommt wahrhaft kein schmeichlerisches Bild vor Augen geführt. Auf der einen Seite Wohlstand, Freiheit und das Recht auf uneingeschränktes Glück, auf der anderen bittere Armut, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung und ein Leben ohne Illusionen. So wird „Heartland“ mehr und mehr zu einer Parabel, die einerseits witzig ist, andererseits aber auch sehr nachdenklich stimmt und viele Fragen aufwirft. Von der einen oder anderen Länge abgesehen ist „Heartland“ ein absolut gelungenes Buch geworden, das erneut beweist, dass Joey Goebel nicht umsonst als literarische Entdeckung gefeiert wird.

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