Retter der Welt

Lowboy

Retter der Welt

Autor John Wray Genre Roman
Verlag Rowohlt
ISBN 978-3-498-07362-6
Übersetzung Peter Knecht Erscheinungsdatum (D) März 2009   
Erschienen 2009  Seiten 384

Inhalt

William Heller alias Lowboy ist 16 Jahre alt und paranoid schizophren. Die letzten eineinhalb Jahre hat er getrennt von seiner geliebten Mutter in einer Anstalt verbracht. Dort wurde seine Krankheit mit Medikamenten bekämpft, die Lowboy in einen dämmrigen Bewusstseinszustand versetzt haben. Eines Tages beschließt er jedoch, sein Bewusstsein wieder an die Oberfläche zurückkehren zu lassen. Er setzt heimlich die Medikamente ab und schafft es dann sogar zu fliehen. Er zieht sich zurück in die New Yorker U-Bahnschächte, wo er vor seiner Mutter, der Polizei und dem wahren Leben flüchtet. Insgeheim hat Lowboy jedoch ganz andere Probleme, als sich zu verstecken. Die Welt steht kurz davor unterzugehen und nur er, William Heller, hat die Macht den Untergang aufzuhalten…

Buchkritik von Kathrin Lang

Kathrin vergibt 5 von 5 Bs Es ist gewiss kein einfaches Thema, dem sich der amerikanische Autor John Wray in seinem neuen Roman „Retter der Welt“ widmet. Aus der Sicht eines 16jährigen Teenagers heraus zu schreiben, ist das eine. Die Dinge allerdings aus der Perspektive eines paranoid schizophrenen Teenagers zu schildern, das andere. Wray geht mit dieser Aufgabe jedoch überraschend souverän um. Wo man das Protokoll eines grauenhaften Krankheitsverlaufes vermutet hätte, hinterlässt John Wray die Geschichte eines Jungen, dessen Leiden kein Mitgefühl heraufbeschwört. Vielmehr ist sein „Retter der Welt“ ein spannendes und interessantes Bild davon, wie und ansatzweise auch weshalb sich ein gestörtes Bewusstsein entwickeln kann. Endergebnis der Analyse ist jedoch widererwarten keine Gesellschaftskritik, sondern ein ausdrucksvoller Roman, der nicht belehren will, sondern unterhalten. „Retter der Welt“ strotzt geradezu vor Metaphern, erwartet von seinem Leser aber ganz offensichtlich kein volles Verständnis. Immer mehr kristallisiert sich heraus, dass sich John Wray nicht darauf fixiert, in verständlichen und glasklaren Worten zu sprechen. Sein Protagonist ist krank, verwirrt, gestört – das spiegelt sich natürlich in dem Fortlauf der Geschichte und dem Gedankenspiel wieder. Kein Leser soll dies gänzlich verstehen, weil man es im logischen Rückschluss gar nicht verstehen kann. Dennoch, trotz oder gerade durch dieses Bewusstsein, wurde aus „Retter der Welt“ ein fantastisches Buch, das es hervorragend versteht, mit seinen zwei Handlungssträngen umzugehen, und das sich beinahe wie ein Thriller lesen lässt. Gibt man sich den Zeilen voller Akzeptanz hin, entfaltet „Retter der Welt“ eine überwältigende, aufwühlende und eindringliche Wirkung, die es wahrlich in sich hat.

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