Der Kryptograph

The Cryptographer

Der Kryptograph

Autor Tobias Hill Genre Roman
Verlag C. Bertelsmann
ISBN 978-3-570-01081-5
Übersetzung Regina Rawlinson Erscheinungsdatum (D) März 2009   
Erschienen 2003  Seiten 320

Inhalt

Anna Moore gehört als Steuerfahnderin des Finanzamtes von London zu den Besten ihres Fachs. Ihr neuester Fall sorgt in den eigenen Reihen für enorm viel Wirbel. Kollegen beneiden sie um die Untersuchung beim Milliardär John Law, Kryptograph und Erfinder von SoftGold, der Währung der Zukunft. Annas Spezialität ist die präzise Durchsicht aller Dokumente und das Zusammentragen aller Fakten. Auf dem Weg zu ihrem berühmten Klienten kann sie die Frage nicht unterdrücken, aus welchem Grund ein Mann, der alles hat, einen solch törichten Fehler begehen kann. Ihre erste Begegnung mit John Law verläuft alles andere als erwartet. Er gesteht und zahlt. Obwohl ihr Job getan ist, lässt Anna der geheimnisvolle Mann nicht mehr los. Sie will die Antwort auf ihre Frage wissen. Damit setzt Anna nicht nur ihren Beruf aufs Spiel.

Buchkritik von Jane Fritsche

Jane vergibt 2 von 5 Bs In der Presse als „großes Talent“ bejubelt, liegt die Vermutung nahe, dass der britische Autor Tobias Hill interessante und gute Geschichten zu erzählen hat. In seinem Buch “Der Kryptograph“ eröffnet er eine Zukunftsversion, in der Geld fast ausschließlich in Form von virtueller Währung existiert. Die Bedeutung des Bezahlungsmittels wird für Menschen als allumfassend und maßgeblich definiert. Es geht sogar soweit, dass der Mensch an nichts anderes mehr denkt. London als Weltstadt der Finanzen dient als Ort der Handlung. Ohne zunächst zu wissen, in welcher Zeit man sich als Leser befindet, gehört Genmanipulation ebenso zum Alltag wie der allmähliche Untergang der Pflanzen. Ziellos wandert man in den folgenden Seiten umher. Die Figuren besitzen weder scharfen Konturen noch lässt sich der Sinn der Ereignisse einordnen. Die Begegnung der beiden Hauptfiguren ist kurz und flüchtig. Trotzdem wird ihr eine Gewichtigkeit beigemessen, die weder nachvollziehbar ist, noch glaubhaft wirkt.



Die Vermutung liegt nahe, dass Tobias Hill gern einen Liebesroman geschrieben hätte. Ganz trivial im Schema: Frau trifft Mann und sie entbrennen in tiefer Sehnsucht zueinander. Entgegen aller Vernunft und äußerer Umstände. Doch Hill will gleichzeitig nicht in irgendeiner Wühlecke im Buchladen versauern. Daher baut er um die Liebesbeziehung ein melodramatisches und pseudo-mathematisches Gerüst auf. Er benutzt wirre Bilder, um zu erklären, dass Geld in den Menschen elementare Ängste schürt und sie sich manipulieren lassen. Der unentschlüsselbare Code von SoftGold ist die Grundlage allen Übels. Sein Verlust führt zu Chaos und Zusammenbruch der Ordnung. Aber weder seine Charaktere noch die Handlung sind in der Lage zu überzeugen. Immer wieder verfällt Hill dem benannten Schema. Wichtige Handlungsstränge verlaufen ins Leere. Die ausbleibende Spannung sorgt für zunehmenden Verdruss beim Lesen. Es bleibt zu hoffen, dass Tobias Hill zukünftig mehr zu bieten hat, als das, was er mit „Der Kryptograph“ vorlegt. Denn „großes Talent“ sucht man zwischen den Seiten vergeblich.

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