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Kommende Buchkritiken
Die Kristallkrähe
The Crystal Crow
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Autor
Joan Aiken
Genre Roman
Verlag Diogenes ISBN 978-3-257-23888-4 Übersetzung Helmut Degner Erscheinungsdatum (D) 1974 Erschienen 1967 Seiten 255 |
Inhalt
Auf Einladung der Landärztin Eleanor entfliehen Dienstag und ihre eifersüchtige Freundin Maggie dem lauten Londoner-Stadtleben, um ein paar Wochen der Ruhe in Eleanors kleiner Kate zu genießen. Die Ärztin selbst lebt mit ihrem Bruder Charles, der schwer herzkrank ist und wohl nicht mehr lange zu leben hat im nahe gelegenen Herrenhaus. Sie macht ziemlich unverblümt deutlich, dass sie Dienstag nicht leiden kann und die nur wegen Maggie ihre Gastfreundschaft genießen darf. Eleanor plant, zusammen mit Maggie eine Klinik für Schilddrüsenerkrankungen zu eröffnen – Dienstags Anwesenheit ist hierbei anscheinend mehr als unerwünscht.
Während Maggie ganz versunken in die Recherchen für ihre Doktorarbeit ist, lernt Dienstag allmählich die Gegend rund um die alte Kate und natürlich auch deren Bewohner näher kennen. Sehr schnell findet sie heraus, dass Eleanor hier die uneingeschränkte Herrscherin ist, vor der sich alle zu fürchten scheinen. Nur ihr Bruder Charles liebt Eleanor offensichtlich voller Hingabe, was ihn blind macht für deren intrigante Pläne. Dienstag muss bald schon feststellen, dass sie gewisse Gefühle für Charles hegt, die ihr aber nicht wirklich willkommen sind. Als ein junger Dorfbewohner Eleanor für den Tod seiner Mutter verantwortlich macht, kommt es zum Eklat…
Buchkritik von Stefanie Rufle
Joan Aiken erzählt in „Die Kristallkrähe“ eine Geschichte, die man von Anfang an nicht so recht einzuordnen weiß. Wer ist dieses Mädchen, das sich schon im ersten Kapitel während der Zugfahrt mit einem augenscheinlich wildfremden Soldaten einlässt? Später erfährt man, dass ihr Name Dienstag ist und sie offensichtlich in einer lesbischen Beziehung mit der eifersüchtigen Maggie lebt. Doch will es bis zum Schluss nicht gelingen, sich dieser seltsamen Protagonistin tatsächlich anzunähern – stets hat man den Eindruck, sie durch eine dicke Glasscheibe zu beobachten und ihr Handeln nie so richtig zu verstehen. Auch die anderen Figuren dieser Geschichte bleiben blass und unnahbar und wirken oftmals, als wären sie nicht von dieser Welt. Immer wieder fragt man sich, in welcher Zeit dieser Roman eigentlich spielt, hat man doch manchmal den Eindruck, die Figuren würden sich im 19. Jahrhundert bewegen, was dann aber durch gewisse Tatsachen wieder revidiert wird. Das alles bewirkt, dass der Zugang zu dieser Geschichte und auch zu den dramatischen Ereignissen, auf die alles zusteuert, zumeist fehlt.
Obwohl die latente Bedrohung spürbar ist, hält sich die Autorin derart mit den kleinen alltäglichen Dingen auf, dass eine wirkliche Spannung nicht aufkommen mag. Auch wenn man schon bald gewisse Vermutungen hegt und auch gespannt der Auflösung entgegensieht, fehlt die von Joan Aiken gewohnte dichte und oftmals gruselige Atmosphäre. Insgesamt wird die Geschichte zu wenig vorangetrieben, was den guten Ansätzen wenig zuträglich ist.
„Die Kristallkrähe“ zeigt auf, wie aus Unausgesprochenem, Misstrauen und blinder Eifersucht allmählich der Nährboden für Mord und Totschlag entsteht, doch die Chance, daraus einen atmosphärisch dichten und packenden Roman zu machen, wurde leider verpasst.
