Das Heiligenspiel

Das Heiligenspiel

Autor Ursula Niehaus Genre Historischer Roman
Verlag Knaur
ISBN 978-3-426-66257-1
Erscheinungsdatum (D) Dezember 2008   
Erschienen 2008  Seiten 576

Inhalt

Augsburg, 1495: Anna Laminit lebt mit ihrer Mutter Barbara und Schwester Veronika in ärmlichen Verhältnissen. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, nähen sie für die reichen Häuser der Handelsstadt. Durch eine Intrige wird die 15jährige Anna der Kupplerei angeklagt und mit Ruten aus der Stadt gejagt. Verängstigt gelangt sie zum Kräuterweib Oda, die sich auf die Heilkunst versteht. Dank ihrer Klugheit und schnellen Auffassungsgabe lernt Anna viel über die Kräfte der Natur. Ohne ihr Wissen erreicht Oda eine Begnadigung für sie, und das Mädchen kann in ihre geliebte Heimatstadt zurückkehren.

Sie kommt bei den Seelschwestern von Sankt Anna unter. Durch eine Magenerkrankung kann sie wochenlang nichts essen und schon bald geht das Gerücht um, dass Anna eine Hungerheilige sei. Die Menschen kommen in Scharen, um von ihr Trost und den Segen zu erhalten. Trotz ihrer Bemühungen kann sie die Lüge nicht richtig stellen und isst von da ab heimlich, um bei Kräften zu bleiben. Schon bald verkehrt sie mit den Mächtigsten im Reich und ihr Geld vermehrt sich stetig. Immer darauf bedacht den Ärmsten ein Almosen zukommen zu lassen, wird sie überall geliebt und verehrt.

Als sie ihr Vermögen dem reichen Kaufmann Anton Welser anvertraut, ist das der Beginn einer innigen Freundschaft, die sich zur leidenschaftlichen Affäre entwickelt. In all den Jahren ist er der einzige, der von ihrem Betrug weiß, und für Anna ist er ein sicherer Halt in diesen düsteren Zeiten. Bis sie entdeckt werden und Anna mit einem Kind unter dem Herzen fliehen muss...

Buchkritik von Jane Fritsche

Jane vergibt 3 von 5 Bs Das Schicksal der Hungerheiligen Anna Laminit von Augsburg sorgte im ausgehenden Mittelalter für reichlich Gesprächstoff und Autorin Ursula Niehaus spann um das dunkelhaarige Wunder eine historisch fundierte Geschichte. Das Augsburg des 15.Jahrhunderts wird bereits auf den ersten Seiten lebendig und Niehaus verknüpft religiöse und zeitgeschichtliche Ereignisse (1.Besuch Martin Luthers in Augsburg). Gespickt mit reichlich Details über die Kaufmannsgilde der Fugger und gesellschaftliche Standesregeln der damaligen Zeit, dazu eine mysteriösen Titelheldin, über deren Kindheit nichts bekannt ist.
Nach den ersten zweihundert Seiten gerät der leichte Lesefluss ins Stocken, denn die Dialoge der Figuren müssen zu Gunsten von geschichtlichen und politischem Ereignissen herhalten. Die immer weiter ausufernden Informationen zur Stadt und den Kriegsabsichten seiner Regierenden (z. B. König, später Kaiser Maximilian) verhindern einen gleichbleibenden Lesespaß, und die zeitliche Weitschweifigkeit der Handlung sorgt für zunehmenden Verdruss beim Leser. So sind die zwanzig Jahre im Leben der ehrlichen Hochstaplerin eine schier endlose Aneinanderreihung von geschichtlichen Fakten, die immer auf Kosten der im Grunde spannenden Handlung gehen.
Sprachlich lässt „Das Heiligenspiel“ keinen Zweifel, dass es sich um einen Unterhaltungsroman handelt. Oftmals derb und einfach, passen die Formulierungen zur Bildung der einzelnen Figuren und unterstützen die lebendig gewordene Vergangenheit. Zwischendurch schleichen sich altertümliche Redewendungen ein, die weniger zum Roman als zur Fabulierlust der Autorin gehören.

Insgesamt ist „Das Heiligenspiel“ ein durchschnittliches Werk, das nicht hält, was es anfangs verspricht. Besonders der Mittelteil des Romans gerät langatmig und langweilig. Die Künste der heiligen Anna mit ihrer modernen Geisteshaltung werden als Aufhänger für einen aufregenden Mittelalterroman genutzt, verlaufen dann aber im Sande. Die reißerischen letzten Kapitel lesen sich zwar schnell und sorgen für ein Aufflammen von Spannung, wollen aber nicht zum Beginn und zum Verlauf der Handlung passen. Das abrupte Ende klingt wie die Ankündigung einer Fortsetzung, wenn das abschließende Kapitel dem nicht einen rigorosen Riegel vorschieben würde. Dem erschöpften Leser ist es recht.

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