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Kommende Buchkritiken
Das Museum der Unschuld
Masumiyet Müzesi
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Autor
Orhan Pamuk
Genre Roman
Verlag Hanser ISBN 978-3-446-23061-3 Übersetzung Gerhard Meier Erscheinungsdatum (D) September 2008 Erschienen 2008 Seiten 571 |
Inhalt
Istanbul in den siebziger Jahren. Eigentlich läuft für den verwöhnten Kemal, Sohn aus reichem Haus und Spross einer Unternehmerfamilie, alles nach Plan. Die Verlobung mit seiner Freundin Sibel steht kurz bevor, und seine Eltern sind mit seiner Wahl mehr als einverstanden. Dann trifft er zufällig Füsun, eine entfernte Verwandte, die als Verkäuferin in einem schicken Laden arbeitet, wieder. Obwohl Füsun aus ärmlichen Verhältnissen stammt und bei Weitem nicht über Sibels Bildung verfügt, ist es sofort um Kemal geschehen. Es gelingt ihm, die blutjunge Füsun in seine Junggesellenwohnung zu locken, und schon an diesem ersten Nachmittag schlafen die beiden miteinander. Was zunächst als heimliche Affäre beginnt, wächst sich mehr und mehr zu einer Obsession aus. Kemal kann an nichts anderes mehr denken, als an die bildschöne Füsun – was ihn aber nicht daran hindert, sich auf das Verlobungsfest mit Sibel vorzubereiten. Auf die rauschende Feier lädt er auch Füsun und deren Eltern ein, ist er doch guter Hoffnung, ganz nach dem Vorbild seines Vaters, Sibel heiraten und doch das Verhältnis zu Füsun aufrechterhalten zu können. Doch nach dem Verlobungsfest lässt Füsun nichts mehr von sich hören, und Kemal muss verzweifelt erkennen, dass sie seine wahre und einzige Liebe ist.
Jahre später trifft er Füsun wieder, die mittlerweile geheiratet hat und mit ihrem Mann bei ihren Eltern lebt. Jahrelang besucht Kemal nun unter fadenscheinigen Gründen seine armen Verwandten und versucht, Füsun zurück zu gewinnen. Während dieser zahllosen Besuche entwendet er systematisch kleine Gegenstände, die ihn an Füsun erinnern und die er in seiner Junggesellenwohnung sammelt. So entsteht allmählich „Das Museum der Unschuld“.
Buchkritik von Stefanie Rufle
„Das Museum der Unschuld“ verfügt über alles, was ein gutes Buch braucht: eine originelle Idee, gute Figuren, interessante Schauplätze und eine augenzwinkernde Prise Humor. Doch leider ist das Buch insgesamt gut 200 Seiten zu lang geraten! Würde man die in der Mitte herausschneiden und den guten Beginn und das berührende Ende des Romans dann einfach wieder zusammenfügen, würde ein richtig packendes und witziges Buch dabei herauskommen. So aber quält man sich durch endlos lange Schilderungen von Einrichtungsgegenständen oder gähnt bei der Beschreibung der 4213 Zigarettenkippen, die Füsun im Lauf der Jahre hinterlassen hat. Wen interessiert es denn, wie, wann und wo sie diese Zigaretten geraucht hat, und warum muss dieses Thema ein ganzes Kapitel einnehmen? Welchen Sinn macht es, dass der Leser jetzt alles über die Gepflogenheiten von Füsuns Familie weiß, darüber, welche Speisen an welchem Tag gekocht wurden und welches Fernsehprogramm am jeweiligen Abend angesehen wurde? Hier kann man einfach nicht anders, als sich furchtbar zu langweilen und zu hoffen, es möge doch endlich mal etwas Aufregendes geschehen. Kemals Ergüsse über die Schönheit, Klugheit und Anmut seiner Geliebten mag man auch relativ bald nicht mehr hören und am liebsten würde man ihm zurufen: „Warum in Gottes Namen hast Du sie denn dann nicht gleich genommen?“ Überhaupt fällt es sehr schwer, die Motive unseres Protagonisten auch nur annähernd zu verstehen. Gut, er ist unsterblich verliebt und verzehrt sich nach seiner Geliebten – aber deshalb Jahr und Tag bei Onkel und Tante verbringen und das Leben an sich vorüberziehen lassen?
Sicherlich kann man diesem Roman zugute halten, dass er einen ungewöhnlichen Einblick in das Istanbul der damaligen Zeit gewährt und auf reizvolle Art und Weise deutlich macht, wie sehr sich vor allem die sexuellen Gepflogenheiten von denen der westlichen Gesellschaft unterschieden. Die doch eher westlich anmutenden Kreise, die hier geschildert werden, zeigen immer mehr traditionelle Züge, die man so nicht vermutet hätte. Hinzu kommt Pamuks wirklich außergewöhnlicher Erzählstil, seine poetisch anmutende Sprache, die wie Balsam für die Seele wirkt. Doch all das kann eben nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Das Museum der Unschuld“ über langatmige und ärgerliche Längen verfügt, die das Lesen eher zur Qual denn zum Genuss werden lassen.
