Sie nannten mich Familienbulle

Sie nannten mich Familienbulle

Autor Alfred Klaus, Gabriele Droste Genre Sachbuch
Verlag Hoffmann und Campe
ISBN 978-3455500769
Erscheinungsdatum (D) September 2008   Seiten 301

Inhalt

So dicht wie Alfred Klaus waren wenige daran an den Köpfen der ersten RAF-Generation Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Andreas Baader. Der Kriminalhauptkommissar machte sich im Rahmen seiner Tätigkeit als Sonderermittler für die Soko B/M als einer der ersten daran, sich in das Denken der Terroristen einzufühlen. Ein Anliegen, das ihm zuweilen den Spott seiner Kollegen und Vorgesetzen eintrug, ihn letztlich aber zum unverzichtbaren Mann in den Ermittlungen des „Deutschen Herbstes“ 1977 machte. Dennoch hörten die Verantwortlichen nicht auf ihn, als es darauf ankam. Ulrike Meinhof taufte Klaus den „Familienbullen“, weil er sich die Mühe gemacht hatte, die Angehörigen der RAF-Mitglieder zu besuchen. Dieses Buch ist seine persönliche Aufarbeitung von den Anfängen der RAF bis hin zur Flugzeugentführung von Mogadischu.

Buchkritik von Melanie Frommholz

Melanie vergibt 4 von 5 Bs Der Klappentext zu „Sie nannten mich Familienbulle“ preist das Buch als „beklemmenden Insiderbericht“ an und tatsächlich ist das, was Alfred Klaus über seine Jahre mit der RAF zu berichten hat ein interessantes und spannendes Zeitzeugnis. Dichter dran an den RAF-Terroristen der ersten Stunden waren nur wenige und besonders die Berichte über die Gespräche mit Ensslin, Baader und Meinhof machen dieses Buch zu einer wertvollen Ergänzungslektüre, wenn man sich für die Zeit der RAF interessiert. Man gewinnt einen guten Eindruck von der damaligen Polizeiarbeit, den Pannen und Unsicherheiten, die diese neue Art von Kriminellen bei den Staatsschützern verursachte. Auch mit seiner Einschätzung zur Entführung und Ermordung von Hans Martin Schleyer hält Klaus nicht hinter dem Berg. Damit verbunden ist deutliche Kritik an den damals Verantwortlichen, die zeigt, dass Alfred Klaus auch heute noch zu seinen Schlussfolgerungen von damals steht. Beklemmung kommt beim Lesen jedoch nicht wirklich auf, dazu ist der Ton trotz allem zu nüchtern und neutral. Auch die Einschübe mit privaten Episoden ändern daran nichts. Alfred Klaus war Zeit seines Ermittlerlebens scharfer Analytiker, ein Profiler, und so mutet bei allen Bemühungen auch dieser Bericht eher sachlich an. Trotz der Schilderungen über seinen Gemütszustand kann man über die gesamte Länge des Buches keine persönliche Bindung zu Alfred Klaus aufbauen. Er bleibt auf Distanz. Dies schmälert keines Falls den Wert dessen, was der Sonderermittler zu erzählen hat, nur einen durch und durch emotionsgeladenen Offenbarungsschocker darf man sich von dieser Lektüre nicht erwarten.

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