Der Tag, an dem die Männer verschwanden

Tales from the Town of Widows & Chronicles from the Land of Men

Der Tag, an dem die Männer verschwanden

Autor James Cañón Genre Roman
Verlag Ullstein
ISBN 978-3-550-08729-5
Übersetzung Sky Nonhoff Erscheinungsdatum (D) März 2008   
Erschienen 2007  Seiten 396

Inhalt

Mariquita, ein kleines Dorf irgendwo im kolumbianischen Niemandsland, konnte bislang keine Revolution, kein Putsch und kein Bürgerkrieg aus seinem trügerischen Frieden reißen. Doch an einem ganz gewöhnlichen Sonntag tauchen plötzlich Guerillakämpfer auf und nehmen die Männer des Dorfes mit. Wochen-, ja monatelang sind die Frauen wie gelähmt vor Schmerz und Trauer, bis endlich eine von ihnen, die Witwe Doña Rosalba, die Sache in die Hand nimmt und als Bürgermeisterin dem Dorf zu einer ganz neuen und nie da gewesenen Blüte verhilft. Es ist ein langer Prozess bis auf den brachliegenden Feldern wieder Getreide und Gemüse wächst und die Dorfwirtschaft einen Aufschwung erfährt, aber abgeschottet von (fast) jedem männlichen Einfluss zeigen sich die Frauen von Mariquita als geschlossene Einheit und sind produktiver als ihre Männer es je waren. Alles könnte immer so weitergehen, wenn da nicht die Frage der Zukunftssicherung - sprich: die Zeugung von Nachkommen - immer im Raum stünde.

Buchkritik von Johanna Dessecker

Johanna vergibt 5 von 5 Bs Selten gab es ein Buch von einem männlichen Autor, in dem die Frauen so liebevoll und mit soviel Ehrfurcht beschrieben werden. James Cañón hat seinen Roman über die weibliche Art, sich Problemen zu stellen, seiner Mutter und Großmutter gewidmet und in jedem einzelnen Satz merkt man den Respekt, aber auch seine Liebe zu den Frauen. In kurzen Sequenzen, die im scharfen Kontrast zur Idylle Mariquitas stehen, berichtet Cañón außerdem von den Schrecken des männlich geführten Bürgerkrieges, von Einzelschicksalen verschiedenster mehr oder weniger freiwilliger Teilnehmer. So ist dieses Buch nicht nur eine einzigartige Liebeserklärung an die Frauen, sondern auch herbe Kritik an martialischem männlichen Machtgehabe. Immer wieder fließt in die heitere, leichte und teilweise phantastische Erzählung auch realer Schrecken ein und so erscheint die funktionierende Parallelgesellschaft Mariquitas durchaus als mögliche Alternative. Doch nimmt Cañón alles nicht zu ernst und erzählt stets augenzwinkernd, manchmal ironisch und mal mit scharfzüngigem Witz und vermeidet so, dass seine Geschichte ins utopisch-kitschige abdriftet. Ein zauberhafter Roman!

Besucherbewertung

0.0 / 5  (0 votes)

Kommentare


Kommentare

+ Kommentar schreiben
Deine Daten
(wird nicht veröffentlicht)
Dein Kommentar*

*Pflichtfeld
Der Kommentar wird von uns vor dem Freischalten geprüft.