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Kommende Buchkritiken
Dick, Doof und Arm? Die große Lüge vom Übergewicht und wer von ihr profitiert
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Autor
Friedrich Schorb
Genre Sachbuch
Verlag Droemer Knaur ISBN 978-3-426-27499-6 Erscheinungsdatum (D) Oktober 2009 Seiten 256 |
Inhalt
In seinem Buch deckt Autor und Soziologe Friedrich Schorb die bekannten „Fett“ Lügen unserer Zeit auf und welche Lobby hinter deren Verbreitung steht. Anhand zahlreicher Interessenverbände aus Politik, Pharmaindustrie und Krankenkassen sowohl im In – wie Ausland prangert er die offene und völlig unberechtigte Diskriminierung der Übergewichtigen an.
Buchkritik von Jane Fritsche
„Dick Doof und Arm?“ – Allein der Titel reizt die Gemüter! Auf beiden Seiten der aktuellen „Übergewichts-Epidemie“- Debatte wird mit harten Bandagen gekämpft. Friedrich Schorb begibt mit seinem Buch ins Minenfeld der öffentlichen Meinung und greift offen an. Politiker die das Gewicht und seine angeblich bedingten Folgeerkrankungen als Rechtfertigung für Beitragserhöhungen und der amerikanischen „Keks-Steuer“ missbrauchen und noch schlimmer – zur offenen Diskriminierung gegen Menschen mit Kleidergröße 42 aufwärts aufrufen.
Friedrich Schorb kämpft mit den Waffen der ärgsten „Fett“ -Gegner, stellt zum Beispiel die von Frau Renate Künast propagierten Statistiken der Kostenexplosionen als pure Schikane bloß. In ihrem Buch „Die Dickmacher“ sprach sie 2004 von unhaltbaren Zuständen, die das gesamte Gesundheitssystem zusammenstürzen lassen, wenn nicht sofort etwas gegen das Voranschreiten des Übergewichts getan wird. Bei all der Panikmache fragt dann keiner mehr im Detail nach. Zu erschreckend klingen die Milliarden, die nimmersatten Mäulern schon jetzt in den Rachen geschoben werden. Wie entwürdigend und diskriminierend solche Äußerungen sind, bekommt nur noch die Wenigsten mit. Zumal sie nicht der Wahrheit entsprechen. Stück für Stück demontiert Schorb das Modell des verschlingenden Steuerlochs. Anhand signifikanter Beispiele aus den USA und Großbritannien, die noch viel aggressiver gegen die Vollschlanken vorgehen, zeigt Schorb wohin die Ausgrenzung eines nicht unwesentlichen Anteils unserer Gesellschaft führen kann.
Friedrich Schorb übertreibt weder, noch verharmlost er. Die Debatten um gesunde Ernährung und Schulsport haben schon in den 70ern den Raum des gesunden Menschenverstandes verlassen. Zuviel Geld lässt sich mit Drohgebärden und Zukunftsalpträumen verdienen. Angesicht der massiven Feindpolitik besagter und bekannter Politiker ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln oder zu behalten, grenzt schon an ein Wunder und bedarf eines dicken Fells.
Zwei Schwerpunkte setzt Schorb bei seinem Resümee des aktuellen Standes: Zum einem die katastrophalen Auswirkungen bei der Entwicklung übergewichtiger Kinder und die Verdammung „ungesunder“ Lebensmittel. Schorb bemüht sich um eine neutrale und umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema Ernährung. Solche Ansätze wünscht man sich in der Mehrheit der Fachliteratur. Der provokante Ansatz vom Hartz IV Empfänger, der aufgrund seiner mangelnden Bildung geradezu prädestiniert für Übergewicht ist, scheint eine gängige und leicht zu glaubende Schlussfolgerung zu sein. Doch hat sie wenig mit der Realität in deutschen oder internationalen Haushalten zu tun.
Friedrich Schorb ist mit seinem gut recherchierten Sachbuch „Dick Doof und Arm?“ zu wünschen, dass er die vernünftige Diskussion um krankmachendes Übergewicht, bezahlbare gesunde Ernährung und ein würdevolles Miteinander wieder entfacht. Denn das sollten der Weg und das Ziel des toleranten Umgangs miteinander sein.
