Die Liste der Lügen

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Die Liste der Lügen

Autor M. J. Hyland Genre Roman
Verlag Piper
ISBN 978-3-492-05115-6
Übersetzung Ingo Herzke Erscheinungsdatum (D) 2007   
Erschienen 2006  Seiten 384

Inhalt

Wir schreiben die frühen Siebzigerjahre. John Egan wächst in der irischen Provinz auf – er lebt mit seinen Eltern bei der Großmutter. Der Alltag der kleinen Familie ist von Geldsorgen bestimmt und John vertieft sich in die Lektüre des Guinness-Buch der Rekorde, um so den tristen Alltag zu vergessen. Irgendwann entdeckt er bei sich selbst eine außergewöhnliche Gabe, von der er überzeugt ist, dass sie Erwähnung in seiner Lieblingslektüre verdient: John ist in der Lage, die Lügen anderer Menschen sofort zu durchschauen – er ist quasi ein lebender Lügendetektor.

Durch diese außergewöhnliche Fähigkeit deckt John allerdings auch Lügen bei jenen Menschen auf, die ihm besonders am Herzen liegen – bei seinen Eltern. Sein Bestreben, in jedem Fall die Wahrheit aufzudecken, wird immer mehr zum Fluch für die Familie, die verzweifelt versucht, den Schein des heilen Lebens aufrecht zu halten. Irgendwann ist die Katastrophe, auf die sich John und seine Eltern zu bewegen, unausweichlich.

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Alles beginnt so harmlos: Perfekte Familienidylle, ein verliebtes Ehepaar, das den einzigen Sohn vergöttert, Friede, Freude, Eierkuchen. Doch bald schon bröckelt die Fassade, mehr und mehr wird dem Leser klar, dass hier etwas so gar nicht stimmt. Und doch gelingt es Hyland, das wirklich Schreckliche ungesagt zu lassen, dem Leser kleine Brotkrumen in Form von Andeutungen zuzuwerfen und diesen so permanent in einen Zustand von Anspannung und dunkler Ahnungen zu halten. Das, was unter der Oberfläche brodelt, ist so bedrohlich und unaussprechlich, dass es Gänsehaut erzeugt.

„Die Liste der Lügen“ ist eine meisterhafte Milieustudie und ein Paradebeispiel dafür, wie eine jugendliche Seele an der unerfüllten Suche nach Liebe und Verständnis zerbrechen kann. Geschildert mit den Augen des elfjährigen John, der im Körper eines Jugendlichen gefangen ist und allein schon aus diesem Grund nirgendwo richtig dazugehört, erzählt dieser Roman eine tragische und zugleich erschreckende Geschichte. Von der ersten Seite an fesselt Hyland den Leser, lässt ihn nicht mehr los und spielt ihr perfides Spiel mit ihm. Am Ende klappt man das Buch zu – entsetzt, traurig und berührt zugleich von dem, dessen man Zeuge man hier wurde. Dabei ist einem klar, dass man, als habe man verbotenerweise durch ein Schlüsselloch geschaut, nur Bruchteile von dem gesehen hat, was tatsächlich geschehen ist. „Die Liste der Lügen“ ist ein literarisches Meisterwerk, das man so schnell nicht wieder vergessen wird.

Wissenswertes

Für „Die Liste der Lügen“ wurde M. J. Hyland mit dem Encore Prize 2007 sowie mit dem Hawthorned Prize 2007 ausgezeichnet. Außerdem stand der Roman auf der Shortlist des renommierten Booker Prize, wurde sowohl für den Commonwealth Writers´ Prize als auch für den Orange Prize nominiert und in über 18 Sprachen übersetzt.

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