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Kommende Buchkritiken
Therese. Chronik eines Frauenlebens
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Autor
Arthur Schnitzler
Genre Roman
Verlag dtv ISBN 978-3-423-13703-4 Erscheinungsdatum (D) 1928 Seiten 380 |
Inhalt
Mit sechzehn Jahren hält Therese es zu Hause einfach nicht mehr aus. Nach der Pensionierung des Vaters und seiner Einlieferung in eine Irrenanstalt, dem schwierigen Verhältnis zu ihrer Mutter, der Affäre mit einem Soldaten und einer ernsthafteren Beziehung zieht die junge Frau nach Wien, um endlich ihr eigenes Leben zu beginnen. In der großen Stadt will sie ihr eigener Herr sein, sich mit der Arbeit als Erzieherin und Lehrerin durchbringen. Doch das Leben als Gouvernante ist beschwerlich. Ohne ausreichend Privatsphäre in den ständig wechselnden Familien, zu niedrigen Arbeitslohn und zahlreichen Liebschaften steuert Therese auf eine Katastrophe zu, die sie unaufhaltsam in den Abgrund zu drängen scheint…
Buchkritik von Karolin Kullmann
Mit “Therese” ist Arthur Schnitzler kurz vor seinem Tod noch einmal ein großartiger Roman gelungen. Unglaublich dicht wird hier das berührende Schicksal einer jungen Frau erzählt, die im Österreichischen Kaiserreich vor dem Ersten Weltkrieg versucht, ihr Leben zu bestreiten. Aufgeladen mit einer düsteren, deprimierenden Stimmung ist die Welt, in der Therese gefangen ist, angefangen bei ihrem Elternhaus bis hin zum Dasein in Wien und allen Begebenheiten, die ihr widerfahren. Immer wieder wird man völlig aus der Bahn geworfen angesichts der naiven Gutmütigkeit, mit der Therese ein ums andere Mal in unglückliche Situationen gerät, tatsächlich ihr ganzes Leben lang von einem Desaster ins nächste rutscht - manchmal aus Eigenverschulden und oft durch unglaublich großes Pech. So muss sie allein durch die Wahl ihres Berufs eine Lebenssituation hinnehmen, die fast keinen Raum für Privates bietet und immer wieder abrupt endende zwischenmenschliche Beziehungen heraufbeschwört. Damit ist das Schicksal der Therese eine unheilvolle Tragödie, aus der sie Zeit ihres Lebens nicht zu entkommen vermag und die durch den realistischen Schreibstil des Autors eine besondere Glaubwürdigkeit annimmt. Dieser Realismus ist es wohl auch, der den Leser so emotional an Thereses Leiden teilnehmen lässt und den Roman so lesenswert macht.
