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Kommende Buchkritiken
Kuckuckskind
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Autor
Ingrid Noll
Genre Roman
Verlag Diogenes ISBN 978-3-257-06632-6 Erscheinungsdatum (D) Juli 2008 Seiten 339 |
Inhalt
Die Französisch- und Deutschlehrerin Anja geht auf die Vierzig zu und ist gerade frisch geschieden. Eigentlich wäre ihr Lebensziel eine glückliche Ehe mit Kindern gewesen. Doch statt in ihrem schönen Häuschen mit Garten sitzt Anja nun im „Rattenloch“, ihrer schmuddeligen neuen Bleibe, in die sie nach dem Seitensprung ihres Ex-Mannes geflüchtet ist. Da kommt ihr das Angebot des Vaters einer ihrer Schüler, doch bei ihm zur Untermiete zu wohnen, gerade gelegen.
Der neue Vermieter Patrick ist ein bisschen mehr, als nur sympathisch, und schon bald entspinnen sich zwischen ihm und Anja zarte Bande. Eigentlich könnte sie nun so richtig zufrieden sein, doch als Kollegin Birgit schwanger wird, argwöhnt Anja, dass nicht etwa deren Ehemann, sondern vielmehr Anjas Ex der Vater ist. Dieser Verdacht lässt die Lehrerin von nun an nicht mehr zur Ruhe kommen, und schließlich geht sie gar so weit, Birgits Mann zu einem Vaterschaftstest zu überreden. Dieser soll für einige Beteiligte dramatische Folgen haben – und auch vorerst nicht der letzte sein.
Buchkritik von Stefanie Rufle
Hier ist sie nun also endlich wieder – die Ingrid Noll, wie wir sie alle lieben! Bitterböse, voller Sarkasmus und herrlich schwarzem Humor treibt die Autorin eine wahnwitzige Geschichte voran, wie sie nur das Leben schreiben kann. Ihre Charaktere entbehren jeglicher Beschreibung – hier „menschelt“ es durch und durch. Dabei lässt Noll wirklich gar nichts aus: drei Vaterschaftstests, einen Schwangerschaftstest, ein Baby, das Moses im Waschkorb gleich, die Heldin beglückt, einen liebestollen Schüler und tragische Todesfälle.
Ingrid Noll gelingt es wie keiner anderen, Mordfälle als etwas ganz Alltägliches erscheinen zu lassen – sie passieren eben einfach manchmal! Und hin und wieder kommen sie der Protagonistin auch noch irgendwie ganz gelegen. Die wird so liebenswert, voll von nur allzu menschlichen Fehlern beschrieben, dass es eine wahre Wonne ist. Der tief verwurzelte Wunsch nach Reproduktion und Nestbau erfährt bei „Kuckuckskind“ eine ganz eigenwillige und völlig neue Interpretation, die immer wieder aufs Neue die Lachmuskeln des Lesers strapaziert. Ingrid Noll ist mit ihrem neuen Roman wieder zu Höchstform aufgelaufen – „Kuckuckskind“ hält ohne weiteres einem Vergleich mit ihren Erfolgen „Die Apothekerin“ oder „Der Hahn ist tot“ stand.
