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Kommende Buchkritiken
Jahrmarkt der Eitelkeit oder Ein Roman ohne Held
Vanity Fair or a Novel without a Hero
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Autor
William M. Thakeray
Genre Roman
Verlag dtv ISBN 978-3-423-13630-3 Übersetzung Theresa Mutzenbecher Erscheinungsdatum (D) Januar 2008 Erschienen 1848 Seiten 915 |
Inhalt
Auf der Bühne des Lebens hat jeder seine Rolle zu spielen. So auch die junge Amelia: Als sie 1815 die Schule für die Erziehung junger Mädchen in Chiswick beendet, kehrt sie nach Jahren endlich in ihr Elternhaus nach London zurück. Dort erwartet sie George Osborne, der ihr schon seit ihrer beider Kindheit als Ehemann versprochen ist. Als jedoch Amelias Vater sein ganzes Vermögen verliert und das große Haus der Familie versteigert werden muss, wird die Verlobung Amelias mit George aufgehoben. Die junge Frau ist todunglücklich, hatte sie doch ihr kurzes Leben lang nur für die Verbindung mit diesem Mann gelebt.
Einige Jahre später kann Amelia wieder lächeln. Sie hat es wie durch ein Wunder doch geschafft, sich mit ihrem Geliebten zu vermählen. Aber die nächsten Prüfungen warten schon: George wird als Soldat für den Krieg gegen Napoleon einberufen. Und auch die junge und äußerst hübsche Rebekka stellt ein Hindernis dar, scheint sie es doch auf den Mann ihrer Freundin Amelia abgesehen zu haben...
Buchkritik von Karolin Kullmann
Beginnt man, dieses Buch zu lesen, wird man sofort in die Vergangenheit, genauer ins London der viktorianischen Zeit, katapultiert. Allein schon das kreative Vorwort gibt einen kleinen Vorgeschmack auf das, was einen in diesem neunhundert Seiten dicken Wälzer erwartet. So erfährt der Leser im Zuge der Geschichte allerhand aus dem Leben der englischen Society. Viel Gesellschaftskritik ist zwischen den Zeilen versteckt, gekonnt überdeckt von Komik und Ironie. Der Autor erzählt scheinbar unbeeindruckt von den kleinen und großen Intrigen und Stolpersteinen, die sich Freunde und sogar Angehörige der reichen englischen Familien in den Weg legen. Als wäre es völlig selbstverständlich, berichtet er von der geheuchelten Freundlichkeit, die sich alle entgegenbringen, ist doch eigentlich jeder nur auf den größtmöglichen Reichtum und das Erbe einer gut begüterten Tante aus. All dies wird unterstützt durch eine Unzahl kleiner Zeichnungen aus der Originalausgabe von 1848, die Thackeray selbst angefertigt hat. Gerade diese Bildchen machen das Buch so lebensecht, zeigen sie doch die Kleidung und den Lebensstil jener vergangenen Epoche. Obwohl es nicht unbedingt vor Spannung überquillt, so hat „Jahrmarkt der Eitelkeit“ doch seinen ganz eigenen Reiz, der einen immer wieder ermutigt, weiter zu lesen und der diesen Roman auch nach mehr als einem Jahrhundert noch seine Leserschaft finden lässt.

