Himmelreich

Himmelreich

Autor Rolf Dobelli Genre Roman
Verlag Diogenes
ISBN 978-3-257-06537-4
Erscheinungsdatum (D) 2006   Seiten 384

Inhalt

Die Affäre mit der um einiges jüngeren Josephine ist mehr als leidenschaftlich und kam für Philipp Himmelreich wie ein Frühlingsregen in mittleren Jahren. Doch allmählich droht ihm das Ganze über den Kopf zu wachsen, möchte er seine Ehe mit der schönen Anna keinesfalls opfern. So kommt für den soliden Banker die Versetzung nach New York wie gerufen. Alles scheint sich ganz von selbst in Wohlgefallen aufzulösen: Ehe gerettet, Affäre beendet. Im Flugzeug allerdings schwelgt Philipp gefahrenlos in der Vorstellung, wie es gewesen wäre, hätte ihn Josephine, wie angedroht, tatsächlich entführt. Seine Tagträume, in denen er sich als Geisel Josephines in einem alten VW-Bus quer durch Europa reisen sieht, sind seltsam realistisch. Und spätestens auf dem imaginären Segeltörn über den Atlantik verwandelt sich der pflichtbewusste Himmelreich in das, was er schon immer sein wollte: das genaue Gegenteil seiner selbst.

Gleichzeitig geht aber Philipps normales Leben weiter. Er hat als Banker durchschlagenden Erfolg in New York und auch Anna findet endlich wieder ihren Weg zu ihm zurück. Sogar über ein gemeinsames Kind denken die beiden jetzt nach. Dann aber vermischen sich Phantasie und Realität mehr und mehr, bis Himmelreich nicht mehr weiß, wohin er eigentlich gehört. Als er von einem alten Freund Josephines erfährt, dass die als vermisst gemeldet wurde, begibt sich Philipp auf eine Reise, die ihn schließlich zu seiner wahren Existenz führen wird.

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 5 von 5 Bs Virtuos, scharfsinnig und ohne unnötige Schnörkel erzählt Dobbeli hier eine Geschichte, die zunächst einfach nur Spaß macht, nach und nach aber erkennen lässt, welch poetische Gedanken den Autoren zu diesem Buch bewogen haben. Der Leser wird allmählich in die zwei parallel existierenden Leben des Philipp Himmelreich entführt und weiß irgendwann nicht mehr, was denn nun Realität und was nur Phantasie ist. Dobbeli zeigt auf, wie die Realität eines mitten im Leben stehenden Mannes allmählich Risse bekommt, wie das, was er glaubt zu sein, immer mehr bröckelt, bis ein ganz Anderer zum Vorschein kommt. Er tut das derart präzise, dass man nicht anders kann, als fasziniert weiter zu lesen, immer in der Hoffnung, dass doch alles gut werden möge für diesen tragischen Helden.

Das Bild der zwei Wege, die ein Mensch beschreiten könnte, wenn er die Wahl hätte, ist so eindringlich, dass man unwillkürlich ins Grübeln gerät über Schicksal und Vorsehung. Der Autor hat einen Roman geschaffen, der einen von Anfang bis Ende fesselt, der viele Fragen aufwirft und am Ende jede Menge eigene Interpretationsmöglichkeiten zulässt. „Himmelreich“ ist ein durch und durch gelungenes Buch, das zeigt, dass es immer zwei Möglichkeiten gibt im Leben.

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