Das Wochenende

Das Wochenende

Autor Bernhard Schlink Genre Roman
Verlag Diogenes
ISBN 978-3-257-86169-3
Erscheinungsdatum (D) März 2008   Seiten 225

Inhalt

Jörg wird nach zwanzig Jahren Gefängnis frühzeitig entlassen. Längst schon gehört die Sache, für die er damals kämpfte, der Vergangenheit an, die Revolution wurde von einer anderen Zeit und neuen Problemen verdrängt. Jörgs Schwester Christiane hat ein großes Überraschungswochenende für ihren Bruder organisiert, zu dem sie einige alte Freunde in eine alte Villa auf dem Land eingeladen hat. So möchte sie Jörg den "Wiedereinstieg" in ein normales Leben erleichtern, ihm zeigen, dass sie alle für ihn da sind. Alle, die Christianes Einladung folgen, haben damals mit der Revolution sympatisiert, führen jetzt aber ein mehr oder weniger bürgerliches Leben - ein Leben, das sie damals verachtet hätten: Karin ist Bischöfin einer kleinen Kirche, Henner Journalist, Ilse Lehrerin, Ulrich hat es zum erfolgreichen Geschäftsmann gebracht und bringt Frau und Tochter mit, Andreas ist gar Rechtsanwalt geworden. Sie alle sind gekommen, um ihren alten Freund in der Freiheit zu begrüßen, teils auch aus Neugier oder Nostalgie. Schon am ersten Abend kommt es allerdings zur Konfrontation, denn Jörgs Kampf für die Revolution hat ja damals auch Menschenleben gekostet. Wird es den alten Freunden gelingen, ein friedliches Wochenende zu verbringen, ohne Schuldzuweisungen und der Auseinandersetzung mit der eigenen Biographie, die ja auch alles andere als blütenweiß ist?

Buchkritik von Stefanie Rufle

Stefanie vergibt 4 von 5 Bs "Das Wochenende" ist ein scharfsinniges, provozierendes und bedrückendes Buch, das sich mit einem dunklen Kapitel der deutschen Vergangenheit auseinandersetzt und gleichzeitig deutlich macht, dass diese Vergangenheit auch heute noch nicht abgeschlossen ist. Schlink beweist hier einmal mehr, dass er ebenso ein analytisch denkender wie auch ein unglaublich einfühlsamer Schriftsteller ist, der sich mit den dunklen Wesenszügen seiner Mitmenschen nur zu gut auskennt. Dieser Roman beeindruckt durch seine fast schon beklemmende Intensität, durch seine genauen Charakterstudien und vor allem durch die intensive Auseinandersetzung mit den Motiven der einzelnen Figuren.

Es geht nicht nur um die deutsche Vergangenheit, sondern vor allem auch um die deutsche Gegenwart - und hier zeigt Schlink eine beeindruckende Klarsicht. "Das Wochenende" ist ein aufrüttelndes Buch, das noch lange nach dem Lesen sehr beschäftigt - und das ist gut so!

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